Friedrich Nicolai

Christoph Friedrich Nicolai wurde am 18. März 1733 in Berlin geboren. Er besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium und ab 1747 die Schule des Waisenhauses in Halle, wo er zunächst pietistisch erzogen werden sollte. Aber schon bald lehnte er den Pietismus ab. 1748 kam er an die neugegründete Berliner Realschule, deren Unterricht ihm sehr zusagte, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Auf Wunsch seines Vaters erlernte Nicolai von 1749 bis 1752 in Frankfurt an der Oder den Buchhändlerberuf. Hier erwarb er sich im Selbststudium ein umfangreiches Wissen. Von 1758 an leitete er die väterliche Buchhandlung in Berlin.

1787 kaufte er das Haus Brüderstrasse 13 und ließ es durch den Berliner Maurermeister, Goethe- und Schillerfreund Carl Friedrich Zelter zum Verlagshaus umbauen.
Nicolai ist einer der bekanntesten Vertreter der deutschen Aufklärung. Er war ein hochgebildeter Schriftsteller und scharfsichtiger Kritiker, befreundet mit Lessing (1729 - 1781) und Moses Mendelssohn (1729 - 1786).

Seit 1757 gab er die „Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste“ heraus, eine Zeitschrift, die die allgemeine Entwicklung im Sinne der Aufklärung befördern sollte, die eingreifen sollte in den Kampf gegen Aberglauben und Intoleranz, Schwärmerei und Pietismus. Mit dieser und weiteren Zeitschriften erreichte er einen großen Leserkreis. Sein Roman „Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker“ (1773 – 1776) erregte die Zeitgenossen ungemein.

Mit sozialem Engagement geschrieben wird scharfe Kritik an sozialen Verhältnissen, an religiöser Unduldsamkeit und kirchlichen Missständen geübt. Grossen kulturhistorischen Wert hat seine zwölfbändige „Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre 1781“ (1783 – 1796). Die Kämpfe mit der Zensur, die seine Zeitschriften ständig bedrohte, bestand er mit Beharrlichkeit und Geschick.

Für die neuen literarischen und philosophischen Entwicklungen, die sich mit dem Sturm und Drang ankündigten, fehlte Friedrich Nicolai allerdings jedes Verständnis. Er hielt sie lediglich für eine vorübergehende Mode, für individuelle Schwärmerei und Abkehr von längst bewährten vernünftigen Ansichten. Unter dem unmittelbaren Eindruck der allgemeinen Begeisterung, die Goethes Roman „Die Leiden den jungen Werther“ (erschienen im Herbst 1774) hervorgerufen hatte, schrieb er seine Erzählung „Freuden des jungen Werthers. Freuden und Leiden Werthers des Mannes.

Voran und zuletzt ein Gespräch (erschienen bei Friedrich Nicolai, Berlin 1775)“. Dieses Werk, das bis heute in keinem Erzählband der Aufklärung fehlt, trug ihm die lebenslange herzliche Abneigung Goethes ein. Der junge Friedrich Schiller erträumte noch 1782 eine Karriere in Berlin, zu der ihm Friedrich Nicolai verhelfen würde, dem Schiller damals noch einen „ungeheuren Einfluss, beinahe im ganzen deutschen Reich der Gelehrsamkeit“ zuschrieb. Aber aus Bewunderung für den alten Aufklärer wird im Laufe der Jahre Hass und Verachtung.

Zeitgenössische Karikatur: Schiller und Nicolai boxend, Herder am Boden, Goethe im Busch

Der Konflikt spitzt sich zu, als Schiller und Goethe im Sommer 1794 ihren Freundschaftsbund schließen. Mit der Zeitschrift „Die Horen“, die 1795 erstmals erscheint, will der Herausgeber Schiller die literarische Öffentlichkeit erneuern. Entsprechend heftig fällt die Reaktion der bestehenden Literaturzeitschriften aus, der sich auch Nicolai anschließt. Der von Schiller edierte „Musenalmanach für das Jahr 1797“ wird zur publizistischen Plattform der Rache, die die beiden Großen an ihrem Konkurrenten auf dem literarischen Markt nehmen.

In giftigen Distichen der „Xenien“ verspotten sie Nicolai als geldgierigen „Nickel“ etc. und geißeln seinen philosophischen Unverstand. Wie sehr Nicolai die „scharfe Lauge“ zuwider ist, die Schiller über ihn ausgießt, zeigt eine dicke Verteidigungsschrift „Anhang zu Friedrich Schillers Musenalmanach“. Während der letzten beiden Jahrzehnte seines Lebens traten die doktrinären und rechthaberischen Züge in Friedrich Nicolais Schriften mehr und mehr hervor. Manchen seiner Zeitgenossen war er nur noch ein lebender Anachronismus, während die respektable Lebensleistung des fleißigen Verlegers und Autors lange Zeit aus dem Blick geriet.

Friedrich Nikolai starb am 8. Januar 1811 in Berlin und fand auf dem Luisenstadtkirchhof seine letzte Ruhe


Aufgestellt: Dr.-Ing. Dorothea Krause

unter Verwendung von:

1. Deutsche Schillergesellschaft Marbach am Neckar 2004:„marbachermagazin 106: Schiller in Berlin oder Das rege Leben einer großen Stadt“, abgebildete Stiche dort auf Seite 20 und 22
2. Sammlung Dieterich Band 372“Deutschsprachige Erzähler von Gottsched bis Nicolai“ Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung Leipzig 1979