verkehrsadern
Die Tour führt über den ehemaligen Grenzkontrollpunkt Heinrich-Heine-Straße vorbei am "Geisterbahnhof” der U8 unter der Dresdener Straße, erzählt von der "Geisterbahn” zwischen Moritzplatz und Gesundbrunnen, macht Halt am Luisenstädtischen Kanal und führt zum ehemaligen Exportviertel der Ritterstraße, gelegen zwischen Anhalter und Görlitzer Bahnhof. Die Geschichte der U1 und des Bahnhofs Kottbusser Tor rundet die Führung ab.

Die Luisenstadt entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem dicht besiedelten Wohn- und Industriegebiet der Stadt Berlin.

Um Personen und Waren transportieren zu können, waren Verkehrswege notwendig: Wasserstraßen, Straßenbahnlinien, Untergrund- und Hochbahnstrecken wurden angelegt. Die Führung zu den Verkehrswegen in der Luisenstadt beginnt am Moritzplatz, einem sehr wichtigen Verkehrsknotenpunkt.

Hier pulsierte der Straßenverkehr, es gab viele Geschäfte, wie zum Beispiel das Kaufhaus Wertheim, das im Krieg zerstört wurde. Geplant war sogar eine zusätzliche S-Bahn-Strecke, die hier über einen Umsteigebahnhof verfügen sollte. Seit 1928 fährt am Moritzplatz die U-Bahn und die Straßenbahnen, Busse und Autos.

Über den ehemaligen Grenzkontrollpunkt Heinrich-Heine-Straße geht die Führung zur Dresdener Straße, unter der sich ein Geisterbahnhof befindet. Die Baugeschichte der Nord-Süd-Bahn, der heutigen U 8, wird ein Thema der Führung sein. Denn die U 8, zu der dieser Geisterbahnhof gehört, spiegelt alle neuzeitlichen Epochen der Berliner Geschichte. Der erste Spatenstich für die Strecke erfolgte noch in der Kaiserzeit. Aber Krieg, Inflation und die Weltwirtschaftskrise behinderten die Arbeiten an der Strecke erheblich, zeitweise wurden die Bauarbeiten ganz eingestellt.

Nach dem Mauerbau war die U-Bahnlinie in Ost-Berlin eine Geisterbahn, die Züge fuhren vom Moritzplatz, der letzten Station in Berlin (West), ohne Stopp quer durch Berlin-Mitte bis zum Bahnhof Gesundbrunnen, der dann wieder im Westen lag.

Interessant sind aber auch die industriellen Spuren der Luisenstadt, von denen es einige während der Führung zu sehen gibt. Wenig bekannt ist zum Beispiel, dass große Firmen, die es heute teilweise nicht mehr gibt, in der Luisenstadt gegründet wurden.

Ein Beispiel ist die Lampenfirma Graetz, die in der Dresdener Straße von Albert Graetz und Emil Ehrich gegründet wurde. Während des Ersten Weltkrieges beschäftigte die inzwischen stark gewachsene Firma als Rüstungsbetrieb tausende von Arbeitern. Bekannt ist die Firma Graetz den Älteren sicherlich noch als Radio- und Fernsehmarke.

Die Führung geht dann weiter zum Oranienplatz, der bis 1925 vom Luisenstädtischen Kanal gekreuzt wurde. Nur um Haaresbreite entging der Platz einem grausamen Nachkriegsschicksal, hier sollte im Zuge der Planungen für die "autogerechte Stadt" ein Autobahnkreuz entstehen.

Die Führung folgt dann dem ehemaligen Kanal in südliche Richtung bis zur Ritterstaße, wo ehemals das Berliner Wirtschaftsleben florierte. Wegen der großen Betriebsamkeit wurde dieses Gebiet auch "Rollkutscherviertel" genannt. Die Führung geht dann zur Hochbahnstrecke und endet am Bahnhof Kottbusser Tor.

Die heutige U-Bahnlinie U 1 war die erste Strecke des Berliner U-Bahn-Netzes. Sie wurde im Jahr 1902 erbaut. Die Geschichte der Strecke und des Bahnhofs Kottbusser Tor runden die Führung ab.

Die Verkehrsadern in der Luisenstadt

Führung von Dr. Andreas Splanemann - Historiker

Samstag 15. März 2014, 10.30 Uhr

Treffpunkt: Eingang Aufbau-Haus vor der Buchhandlung Moritzplatz, 10969 Berlin