missmann ausstellung

Bereits seit Mai zeigt das Märkische Museum in der Luisenstadt die schönsten Fotografien von Max Missmann. Der Fotograf Jochen Wermann nahm die historischen Perspektiven Missmanns neu auf, die Ausstellung und ein Bildband vergleichen das Berlin von gestern und heute, zwischen 1904 und 2014. Volker Hobrack hat sich das Buch zur Ausstellung genauer angeschaut.
(Bild: Ausstellungseröffnung)


Das Buch zur Ausstellung - Rezension

Berliner Ansichten - Fotografien von Max Missmann und Jochen Wermann 1904 - 2014

Mit dem Namen Max Missmann ist unwillkürlich die Erinnerung an seine Architektur- und Stadtbildaufnahmen verbunden. Jeder Stadthistoriker und Berlinliebhaber hat die Fotobände von Max Missmann im Bücherschrank und nimmt sie gern zur Hand, besonders wenn es um fotografischen Aufnahmen aus der Zeit des kaiserlichen Berlin geht. Er ist mit seinem fotografischen Schaffen nach Albert Schwartz vielleicht einer der wichtigsten Chronisten unserer Stadt.

Es ist gerade die veränderte städtebauliche Situation am Potsdamer Platz oder am Tauentzien, die man ausgehend von den immer weniger werdenden  bekannten Bezugspunkten mit der historischen Situation vergleicht. Es macht neugierig die von J. Wermann von gleicher Stelle aus gemachten gegenwärtigen Ansichten mit den historischen zu vergleichen.

Obwohl als künstlerisches Mittel schon mehrfach verwendet, ist die Gegenüberstellung von Fotos mit hundertjährigem Abstand immer wieder faszinierend. Fehlen heute historische architektonische Zeugnisse wie markante Gebäude, Straßenverläufe, Denkmäler u.a. so wird eine orientierende Einordnung von historischen Fotos in die heutigen räumlichen Verhältnissen fast unmöglich wie z. B. bei den Fotos vom früheren Krögel und dem heutigen Rolandufer.

Anders bei den Fotos der Jungfernbrücke. Sie steht am alten Platz und man kann sich verwundern über die totale Veränderung der Umgebung. Sie ist keine Brücke mehr zur Verbindung belebter Ufer, sondern ein technisches Denkmal, dem trotz mehrfacher Zerstörungen Respekt gezollt wird. Genauso wie dem Funkturm, der Hochbahn Bülowstraße oder der Oberbaumbrücke, auch wenn die noch ihre ursprünglichen Zwecke erfüllen.

Bei anderen Brücken drängen sich Fragen nach der Form der Rekonstruktion auf. Warum wird auf Reminiszenzen der historischen Brückenbauten völlig verzichtet? Sollte vielleicht vor Ort auf der Rathausbrücke darauf hingewiesen werden das hier einmal das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten gestanden hatte und die Brücke damals Kurfürstenbrücke hieß? Nichts erinnert an der Friedrichsbrücke an ihren früheren Säulenschmuck.

Der Gegenwartsfotograf macht uns manchmal sehr drastisch klar wie nüchtern, teilweise architektonisch banal die Nachfolgebauten sind, siehe Kaufhaus Karstadt am Herrmannplatz. Ein positives Beispiel von Wiederherstellung und architektonischer moderner Weiterentwicklung ist zweifelsfrei das Reichstagsgebäude. Die neuen und die alten Linien sind sehr klar erkennbar in der winterlichen Abendsonne.

Ebenso ist die Rekonstruktion der städtebaulichen Figur des Luisenstädtischen Kanals ein herausragendes Beispiel von städtebaulicher Weiterentwicklung. Vom Schifffahrtsweg für den Transport von Baumaterialien und Lebensmitteln im 19. Jahrhundert zum grünen Erholungspark in der Weimarer Zeit und zu  seiner vollständigen 1:1 Rekonstruktion in den letzten Jahren ist dieses Ensemble der beste Beleg. Völlig unverändert scheint Ludwig Hoffmanns  Märchenbrunnen im Friedrichshain über die Zeiten gekommen zu sein.

Die zwischenzeitlichen Zerstörungen sind nicht mehr sichtbar und sind auch nicht Thema dieser bildlichen Gegenüberstellungen. Sollten die Brüche der kriegerischen Zerstörungen und der jahrzehntelangen Rekonstruktionen Berlins einmal fotografisch im Vergleich mit Vergangenheit und Gegenwart  thematisiert werden, müsste eine andere Darstellung gewählt werden. Sie wäre viel umfangreicher und zugleich eine Jahrhundertgeschichte Berlins, die aber bestimmt auch auf Fotos vom Max Missmann zurückgreifen müsste.

Volker Hobrack

Zur Ausstellung

Berliner Ansichten - Fotografien von Max Missmann und Jochen Wermann 1904 - 2014
www.Stadtmuseum.de/ausstellungen/berliner-ansichten
Noch bis 31. August 2014
Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin

Ausstellungsflyer "Berliner Ansichten" mit Infos und Terminen des Begleitprogramms
www.Stadtmuseum.de/.../download_flyer_berliner_ansichten_0.pdf