Blindenanstalt
Seit 1928 gibt es die Bürstenmanufaktur in der Kreuzberger Oranienstraße. Im Haus der ehemaligen "Blindenanstalt" werden Nutzartikel wie unterschiedlichste Bürsten und Besen angefertigt, die im hauseigenen historischen Laden, aber auch direkt an Kunden oder Händler verkauft werden. Seit 1998 sind die Werkstätten weltweit bekannt, denn seitdem werden hier Designprodukte - wie Eierbecher, Souvenirs, Bilderrahmen oder Lampenschirme - aus Natur- und Kunststoffborsten her.

Die Blindenanstalt in der Oranienstraße 26 geht auf das Jahr 1902 zurück. Das Gebäude stammt aus den Jahren 1863/ 64 und diente vorher als Gemeindeschule. In den ersten Jahren wird außer der "Beschulung" nunmehr der Ausbildung in Handfertigkeiten Raum gegeben, die den Blinden Verdienstmöglichkeiten bieten nach dem Leitmotiv der "Erziehung blinder Menschen zur wirtschaftlichen Selbständigkeit."

Während im ersten Weltkrieg Blinde hauptsächlich in der Rüstungsindustrie Beschäftigung fanden, setzt man sich nach dem Kriegsende für breitere Beschäftigungsmöglichkeiten ein.

Von 1928 an sind sechs Produktionszweige vertreten: Stuhlflechterei, Korb- und Mattenflechterei, Bürsteneinzieherei und Bürstenpecherei. Die hergestellten Waren werden im Laden im Erdgeschoß verkauft. 1935 wird unter der nationalsozialistischen Herrschaft der Schulbetrieb eingestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg nimmt das Land Berlin in der von Kriegseinwirkungen verschont gebliebenen Blindenanstalt den Produktionsbetrieb unter Schwierigkeiten wieder auf. Über Jahrzehnte wird die Blindenanstalt in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.
1998 startet die Zusammenarbeit mit dem Design-Büro Vogt + Weizenegger und weiteren Designern das Projekt DIM - Die Imaginäre Manufaktur.

Durch intensive Pressearbeit erlangen die im traditionellen Handwerk gemeinsam von behinderten und nicht behinderten Menschen hergestellten Produkte eine große Bekanntheit und werden sogar in Museumsshops in New York, London und Tokio verkauft.

2005 erhält die Union Sozialer Einrichtungen USE gGmbH eine Nutzungsvereinbarung des Landes Berlin für die ehemalige Blindenanstalt.
Die Arbeitsplätze der behinderten Menschen bleiben erhalten. Hinzu kommen Bildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für psychisch erkrankte und behinderte Menschen. Das Angebot wird um zusätzliche Gewerke wie Malerei, Floristik und Patisserie bereichert.

Zusätzlich richtet die türkisch-deutsche Frauenvereinigung zu Berlin e.V. eine Beratungsstelle für behinderte Menschen und deren Angehörige ein. Mit der Übernahme durch die USE im Jahr 2007 werden die Hoftore zu einer der belebtesten Straßen der ehemaligen Luisenstadt geöffnet. Heute kann man alle Werkstätten besichtigen und sich ein Bild von den Produktionsbedingungen und von altem, vom Aussterbenden bedrohtem Handwerk machen.

Der traditionsreiche Werkstattladen erhält im August 2012 ein neues Gesicht und ein neues Konzept: In einer Mischung aus Café und Laden stellt die USE dort ihre Designerproduktlinie vor, darunter die bekannten Klassiker aus Bürsten wie das Brandenburger Tor oder der Berliner Bär.

Im vergangenen Sommer feierte die DIM ihr zehnjähriges Bestehen.

Bei der Führung mit dem Betriebsleiter, Herrn Frank Schönfeld, werden sowohl die Werkstätten als auch der Verkaufsladen besichtigt.

Die Blindenanstalt von Berlin

Führung durch Frank Schönfeld (Betriebsleiter)

Samstag, 23. Januar 2015, 11.00 - 13 Uhr

Treffpunkt: Verkaufsladen der ehemaligen Blindenanstalt, Oranienstr. 26, 10999 Berlin

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen des Bürgervereins Luisenstadt ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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