Stadtteilzeitung Ecke Koepenicker 3 Mai 2016 Fuehrung

Und so war die Jubiläumsfeier des Bürgervereins Luisenstadt, die am 15. April im Café am Engelbecken begangen wurde, auch überaus gut besucht.

Nicht nur Vereinsmitglieder und Freunde waren gekommen, auch die lokale Politprominenz gratulierte.

Die Bezirksbürgermeister von Kreuzberg und Mitte, Monika Herrmann und Christian Hanke, würdigten die Arbeit des Vereins, ebenso die Stadtentwicklungsstadträte beider Bezirke, Hans Panhoff  und Carsten Spallek.

Denn der Verein wirkt an einem historisch besonderen Ort, an der unmittelbaren Schnittstelle von Mitte und Kreuzberg. "Zwei Verwaltungsbezirke, aber ein Sozialraum", beschrieb Mittes Bürgermeister Hanke die besondere lokale Situation. Die historische Luisenstadt war durch die Berliner Teilung zerschnitten worden, der nördliche Teil gehörte nun zum Ostberliner Bezirk Mitte, der südliche zum Westberliner Bezirk Kreuzberg.

Die Mauer samt Postenweg und Wachturm verlief diagonal über das Engelbecken, eine Kirche, die den Krieg mit Schäden überstanden hatte, wurde gesprengt. Nach dem Mauerfall 1989 fanden sich schon bald engagierte Bürger, die an diesem konkreten Ort die 40-jährige Teilung und ihre Spuren überwinden wollten.

Am 6. März 1991 gründeten Mitglieder der Bürgerinitiative Luisenstadt (Ost) und Bürger aus SO 36 (West), dazu Vertreter der Büchereien und der Kirchengemeinden, den Bürgerverein Luisenstadt e.V. Dessen Anliegen war, historische Spuren freizulegen und fast Vergessenes wieder sichtbar zu machen, zum anderen aber auch, Gegenwart und Zukunft aktiv mitzugestalten – mit der Stärkung von Nachbarschaften und der Entwicklung gemeinsamer Ziele für die soziale und städtebauliche Entwicklung.

Volker Hobrack, von Anfang an im Verein aktiv und Vorstandsmitglied, ließ bei der Feier noch einmal die ersten Jahre Revue passieren, als sich der Verein zunächst in Büchereien oder Räumen der Kirchgemeinden traf. Eine Weile hatte er dann sogar einen kleinen Stadtteilladen, der jedoch wegen Mieterhöhung wieder aufgegeben werden musste. Dann stellte die Wohnungsbaugenossenschaft Berolina Räume zur Verfügung, in denen der Verein noch heute arbeitet.

Zu den ersten großen Projekten gehörten die Wiederherstellung des Luisenstädtischen Kanals und des Engelbeckens als Grün- und Erholungsräume. Mit der Rekonstruktion dieser historischen Orte wurde zugleich die Brache des einstigen Todesstreifens wieder belebt und die Lücke zwischen beiden Stadträumen geschlossen. Für die Kreuzberger Bürgermeisterin Hermann ist das Engelbecken "ein Highlight geht, beispielsweise am Fraenkelufer, formiert sich gern auch die wenig konstruktive Konservierungsfront.

Mittes Bürgermeister Hanke sprach auch über neue Herausforderungen – wie die Gesamtstadt erlebt der Bezirk derzeit ein deutliches Wachstum durch eine steigende Geburtenrate, aber auch durch neu Hinzuziehende. Dabei, so Hanke, dominiere der innerdeutsche Zuzug (am stärksten aus Hamburg) sowie aus dem europäischen Ausland, hier vor allem aus Spanien. Auch in Mitte werde es neuen Wohnraum und Nachverdichtungen im Bestand brauchen.

In der Nördlichen Luisenstadt bauen neben Privatinvestoren u.a. bereits die Genossenschaft Berolina und die WBM, die weitere Vorhaben plant. Ein wichtiges Anliegen des Bürgervereins ist die Pflege des Grüns und öffentlichen Raums. Ein wunder Punkt, der Bezirk hat seit Jahren kaum noch Geld für die Unterhaltung und Pflege von Grünflächen.

Mit zahlreichen Arbeitseinsätzen und Subbotniks kämpft der Verein immer wieder gegen Müll, Schmierereien und Vandalismus wie am Engelbecken, wo wiederholt auch das Schwanenhäuschen repariert werden musste. Auch das meinte Kreuzbergs Baustadtrat Panhoff, als er anmerkte: "Ich fürchte, Sie werden hier noch 25 Jahre so weitermachen müssen."

Text: Ulrike Steglich

Foto oben: Hans-Ulrich Fluß vom Bürgerverein führt Besucher unserer 25-Jahre-Geburtstagsfeier durch den Luisenstädtischen Kanal am Engelbecken (Fotograf: Christian Eckelt/ecke).

Text mit Genehmigung und im Wortlaut aus "ecke köpenicker" No 3 Mai 2016.

Weiterlesen:

Bürgerverein Luisenstadt - Ein Rückblick auf 25 Jahre Bürgerarbeit - mit Vortrag von Volker Hobrack und vielen Fotos von der Feier

Auch der Blog "Nikolai-Viertel Aktuell" ist - etwas neidvoll - auf unseren Bürgerverein und seine Arbeite aufmerksam geworden. Siehe Nikolaiviertel-aktuell.Blogspot.de/2016/04/abstecher-in-die-luisenstadt

Download der gesamten "ecke" Mai 2016 mit o.a. Kommentar hier (1.7 MB)

Stadtteilzeitung Ecke Koepenicker 3 Mai 2016 Cover 300


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