Update: Der Bürgerverein Luisenstadt unterstützt den Offenen Brief wg. Engelbecken-Vernachlässigung


Wieland Giebel Engelbecken Ex Schwanenhaus

Bild: Symbol-Foto (Wieland Giebel am zerstörten Schwanenhäuschen)

Was bisher geschah:
Der erste Offene Brief einer Bürger- und Anwohnerinitiative erschien im Juni 2016. Siehe unten in diesem Beitrag.
Nun, ein Jahr später - im Juni 2017: Liane Bruckhaus (Anwohnerin) und Cheena Riefstahl (Betreiber Café am Engelbecken) verfassten einen weiteren, dringlichen "Offenen Brief" an die Verantwortlichen in den Behörden. Lesen Sie hier das Original-Dokument Baustadtratraetin_2_Offener_Brief_zur_Verwahrlosung_des_Engelbeckens_2.pdf.

Stadträtin Sabine Weißler (Die GRÜNEN) ist als zuständige Stadträtin in diesem Brief adressiert.
Wie formulierte doch kürzlich Luisenstadt-Bewohner und Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt bei Twitter: Dem Grauflächenamt von Mitte (zuständige Stadträtin: Grüne) wird's zu bunt: Von Bürgern bepflanzte Baumscheiben werden "entfernt"... So also sind die Arbeitsschwerpunkte gesetzt! Am 21. Juni 2017 nahm inzwischen die Berliner Zeitung das Thema in einer längeren Reportage auf.

Ein "Offener Brief zur groben Vernachlässigung des Gartendenkmals Engelbecken" ist im Umlauf und hat die zuständigen Behörden aufgeschreckt. Nun wird gestritten, wie das Wasser-Management des Engelbecken wieder herzustellen ist, das durch Vernachlässigung und Veränderung offensichtlich von verschiedenen Seite in den letzten Jahren gestört worden ist. Nur droht sogar die Betriebsgenehmigung des Cafés zu entfallen.

Verfasser bzw. Unterzeichner sind Anwohnerin Frau Bruckhaus und der Betreiber des Cafés am Engelbecken, Herr Riefstahl, direkte Adressaten das Landesdenkmalamt Berlin / Gartendenkmalpflege LDA 2 und das Bezirksamt Berlin Mitte von Berlin
/ Leiter des Straßen-und Grünflächenamtes.

Der Offene Brief vom 3. Juli 2016 im Wortlaut, im Anschluss die Stellungnahme des Landesdenkmalamtes zu dieser Misere...


Dringende Mängelanzeige Engelbecken * Wartung und Instandhaltung am Engelbeckensee, Engelbeckenbrunnen, 10179  Berlin, Michaelkirchplatz

Sehr geehrte Frau Dr. W*r,
Sehr geehrter Herr B*,

wir Anwohner und Anwohnerinnen des Engelbeckens, Betreiber des Cafes am Engelbecken, Jogger oder auch sonstige Freizeitnutzer und Freizeitnutzerinnen  des Engelbeckenparks /  Engelbeckensees beschweren uns über die grobe Vernachlässigung und Verwahrlosung  insbesondere des Engelbeckensees und zeigen die Mängel hiermit mit dringendem Handlungsbedarf an. Gleichzeitig fordern  wir Sie auf, die schnellstmögliche, sehr kurzfristige Beseitigung der nachfolgend aufgeführten Mängel zu veranlassen.

* Die erst 2012 neu eingebaute Wasserfilteranlage zur Selbstreinigung des Wassers ist in diesem Jahr nicht mehr in Betrieb, sodass es nur noch eine  Frage von Wochen sein wird, bis die Wasserqualität wegen Sauerstoffmangel beim nächsten größeren Sommerunwetter  zu kippen droht, alle Wassertiere die sich in diesem Jahr dort angesiedelt haben in Mitleidenschaft zieht und Fische und Schildkröten tot auf der Wasseroberfläche schwimmen werden. Das Wasser ist bereits übermäßig verschmutzt und verschlammt. Das funktionierende Ökosystem des Sees, der keinen frischen Zulauf hat, ist stark in Gefahr.

Nach Kenntnis der Betreiber des Cafes am Engelbecken, Cheena Riefstahl und Akin Aydogan, die bereits mehrfach vergeblich den Kontakt mit dem Grünflächenamt aufgenommen hatten, sind die  eingebauten Umwälzpumpen nicht ausreichend gewartet worden und nun defekt.

* Dringend muss auch der Filterkies ausgetauscht werden.

Ich erinnere daran, dass die Kies-Filteranlage vor 4 Jahren imposant mit viel Presse eingeweiht  und in Betrieb genommen wurde. Wieso man nun dieses Gartendenkmal und  Kleinod Engelbeckensee und Engelbeckenbrunnen wieder mal von den Zuständigkeiten her verkommen lässt, ist uns Allen nicht verständlich.

Insbesondere in diesem Jahr haben sich viele Wassertiere und Vögel angesiedelt, die die Großstadtkinder aus der Umgebung sonst kaum noch zu sehen bekommen. Manche vielleicht nur noch im Bilderbuch, manche vielleicht noch nicht mal mehr da ...

Es gibt erstmalig eine Schwanenfamilie mit 4 kleinen Schwänen, verschiedene Wildentenarten, verschiedenen Schildkrötenarten, viele verschiedene Fischarten, Fischreiher und seit einiger Zeit Komorane.

Wenn man morgens am See ist, kann man Kindergartengruppen beobachten, die auch mal schweigend und staunend in der Natur z.B. dem Treiben der Schwanenfamilie zuschauen.

Man kann beobachten, wie die Schwaneneltern den kleinen Schwänen  durch abtauchen die Futtersuche beibringen oder  Fischreiher und Komoran vom Schwanenhäuschen  aus geduldig den See beobachten, um sich dann schnell einen Fisch zu schnappen.  Oder die Schildkröten, die mal ausgesetzt kein richtiges zu Hause haben und sich um das Schwanennest versammeln um sich zu sonnen.

Die Kinder beobachten, wie  Schwan-Mama, nachdem Schwan-Papa mit den kleinen Schwänen auf Tauchgang geht, dass große Nest säubert und wieder aufschüttelt, damit die kleinen Schwäne es wieder kuschelig haben ...

Es gibt auch kein Verständnis von uns, weshalb das  Schwanenhäuschen nicht in die regelmäßige Wartung miteinbezogen wird.  Seit heute Nacht liegt es mal wieder umgekippt am Beckenrand.

Wir mahnen auch hier die schnellstmögliche Mängelbeseitigung und regelmäßige Wartung des Häuschens an.

Im Sinne der Dringlichkeit der Mängelbeseitigung erwarten die UnterzeichnerInnen, dass sich  Landesdenkmalamt und Grünflächenamt Berlin-Mitte nicht gegenseitig in ihren Zuständigkeiten behindern, sondern im Sinne der kurzen Wege  die schnelle Mängelbeseitigung veranlassen.

(Unterschriftenlisten der Anwohner und Anwohnerinnen werden kurzfristig nachgereicht
Der Form halber teile ich Ihnen mit, dass wir die Berliner Presse über die Problemlage  informieren werden.)

Mit freundlichen Grüßen

Für die Anwohner und Anwohnerinnen:
Liane Bruckhaus

Für die Betreiber des Cafes am Engelbecken:
Cheena Riefstahl

_________

Dazu die letzte Stellungnahme für das Landesdenkmalamt durch Herrn Lingenauber (Stellv. Leiter Fachbereich Gartendenkmalpflege und Archäologie), gerichtet an die Kollegen im Bezirksamt (gekürzt):

(..)
es ist überhaupt nicht hinnehmbar, dass (..) die Füllung des Ringbeckens und der Überlauf "auf Bitten der Café-Betreiber" ohne Konsultation der Denkmalbehörden und des Fördergebers stillgelegt wurde, statt nach technischen Lösungen zu suchen.

Die Nutzung des ehemaligen kleinen Plansch-/Überlaufbeckens für Gastronomie wurde von uns als schwieriger Kompromiss  seinerzeit nur unter der Voraussetzung zugelassen, dass weiterhin zumindest ein Teil des Beckens mit gefülltem Wasserring und Überlauf dauerhaft betrieben wird (Daher erklärt sich überhaupt der Begriff "Wasserschloss"!). Diese Lösung ist aufwändig abgestimmt, so genehmigt und mit Fördermitteln gebaut worden und daher dauerhaft betriebsfähig zu halten.

Dazu gehört auch, dass der Schilfaufwuchs vor dem Überlaufbecken, der hygienische Probleme verursacht, die Sicht verhindert und damit das Erscheinungsbild und eine Kernaussage des Denkmals unzulässig beeinträchtigt, zu entfernen, umzusetzen bzw. zumindest regelmäßig abzumähen ist.

Ich bitte daher dringlich um die kurzfristige Wiederinbetriebnahme nicht nur der Fontänen, sondern auch des ringförmigen Überlaufbeckens mit gefiltertem Wasser.

Ansonsten sehe ich die Genehmigungsgrundlage für den Café-Betrieb auch auf Teilen des Überlaufbeckens als nicht mehr gegeben an.

Generell hoffe und erwarte ich, dass sich das Engelbecken und der gesamte ehemalige Luisenstädtische Kanal auch im Hinblick auf die bundesweite Veranstaltung zum „Städtebaulichen Denkmalschutz“ im August vor Ort sehr bald wieder in einem denkmalgemäßen Zustand präsentiert.

Alle Änderungen von Substanz, Erscheinungsbild und Nutzung des Gartendenkmals sind immer rechtzeitig abzustimmen.

(..)

Bild oben:

Auch das Schwanenhäuschen ist wieder einmal nächtlichen, groben Vandalen zum Opfer geworden. Nun ist es mit einer einfachen Wiederaufstellung nicht getan. Ein neues muss her, meint Wieland Giebel (Bild) in seinem Blog.


Der o.g. Offene Brief im Original (PDF)


Und der Pressespiegel

- Berliner Zeitung (21.6.17): Müll am Engelbecken Anwohner und Café-Betreiber fürchten zweiten Görli

- Der TAGESSPIEGEL (25.6.17): "Berlins Grünanlagen - Trübe Aussichten am Engelbecken"


Kommentare  

+1 #1 Bauer 2016-11-21 15:24
Wir haben uns umgehört. Ebenfalls ohne Ergebnis.
Man sollte die Initiatorin befragen, wie sie die Sache verfolgt, gesteuert, überwacht hat.
Aber wir haben leider keinen Kontakt zu Frau Bruckhaus.
Wir archivieren diese Seite demächst.
Ralph Bauer für den Bürgerverein Luisenstadt
#2 Bauer 2016-11-21 15:48
Okay, Danke, dann wissen auch wir nun mehr.
Im Café ist es angebracht, immer mit dem Chef zu reden, Herrn Riefstahl. Er wird ja auch aus Unterzeichner erwähnt. -
"Archivieren" meint in diesem Fall nur, dass ältere Seiten auf der Startseite den neueren Seiten Platz machen müssen. Sie bleiben als Unterseiten weiterhin auffindbar.
MfG
Ralph Bauer

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