Stellungnahme des Bürgervereins Luisenstadt

BVL 2000 Januar Wiederaufbau rund um Engelbecken 800

Bildcollage: Januar 2000 - Vom Bürgerverein wesentlich mitinitiiert - der Wiederaufbau des Engelbeckens (Archiv Bürgerverein - Großansicht hier)


Seit Anfang Juli 2020 sind Fragen zum Umgang des Bezirksamtes mit dem Engelbecken immer breiter von Anwohnern, von Cafébesuchern und von Tierfreunden diskutiert worden.

Auf Twitter und in WhatsApp-Gruppen wurden Befürchtungen geäußert, dass der hohe Fischbestand, die zahlreichen Schildkröten und die Schwanenfamilie mit fünf Jungen dezimiert werden sollen.

Das Fischereiamt hat sich die Sache am Engelbecken angesehen und mit dem Bezirksamt eine Aktion zum Abfischen vereinbart.

Diese Nachricht kam bei etlichen Anwohnern nicht gut an, ja sie mündete in einem regelrechten Proteststurm gegen das beabsichtigte amtliche Töten von Fischen und Schildkröten.

Anonyme DIN A4-Zettel wurden in den letzten Tagen an den Einfassungsmauern und Haustüren rund um das Engelbecken befestigt und zu einer Zusammenkunft am 13. Juli 17 Uhr aufgerufen:


"Das Engelbecken braucht unsere Hilfe
Am Montagabend, 13.7.20, werden die Fontänen abgestellt und über Nacht stellt das Fischereiamt zum Abfischen des Teiches Netze auf. Alles, was sich über Nacht eingefangen hat - Fische, Schildköten, aber auch die jungen Schwäne - wird dann entsorgt." (...)


Ähnlich klang ein zweiter Aufruf zum Protest gegen Maßnahmen des Bezirksamtes...

Die Resonanz auf diese Aufrufe war verhalten. Es kamen nur wenige der besorgten Mitbürger und ihre Anzahl ging bei der Vielzahl von Cafébesuchern und Sonnenhungrigen, die sich wie immer bei herrlichem Wetter am westlichen Beckenrand und auf den Bänken ausgeruht haben, unter.

Und der Elan zum Protestieren verpuffte ganz, als die schriftliche Pressemitteilung des Bezirksamtes 225/2020 vom gleichen Tag verteilt wurde, wonach die Fischbestandsentnahme erst für den Spätherbst 2020 geplant ist.

Ein Grund für die sachlich berechtigte Sorge der Anwohner ist das derzeitige Absinken des Wasserspiegels, das mit dem schwankenden Grundwasserspiegel zusammenhängt und nicht auf Wasserentnahmen für die Pflege der Blumenrabatten zurückzuführen ist.

Ein weiterer Grund ist die unzureichende Informationspolitik des Bezirksamtes, des Straßen- und Grünflächenamtes und der Naturschutzbehörde von Mitte.

Es regt die Leute auf, wenn sich erst auf nachdrückliche Anfrage ein amtlicher Mitarbeiter der Behörden bequemt, etwas Sachdienliches zum hohen Fischbestand oder zur Zahl der Schildkröten mitzuteilen, dann bei einer späteren Anfrage ein anderer Mitarbeiter antwortet (meist zeitversetzt und nicht sofort und in Vertretung) und dann drittens auf Gutachten verwiesen wird, die irgendwann fertig werden sollen und thematisch wieder andere Schwerpunkte setzen.

Damit werden Bemühungen um Beseitigung von Missständen ausgebremst und bürgerschaftliches Engagement erlahmt. Trotz Mitarbeitermangel in Coronazeiten hätte eine fundierte Nachricht an die Betreiber des Cafés am Engelbecken und / oder an den Bürgerverein Luisenstadt ausgereicht, um die Aktionen zu lenken und sachdienlich zu informieren.

Beide sind die natürlichen Verbündeten der Verwaltung vor Ort. Sie kennen die Umstände und die Wünsche der Bewohner und Besucher und kennen auch Ansprechpartner und Wege zu den amtlichen Verantwortungsträgern. Doch auch dieser Ruf nach gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamem Handeln von Amt und betroffenen Bürgern wird wohl wieder verhallen.

Dass diese Frage sich täglich stellt, ist jedem ersichtlich, denn es gibt Probleme mit dem Engelbecken:

  • Falsch verstandene Tierliebe treibt einzelne Anwohner und Besucher immer wieder dazu, die Schwäne zu füttern. Dabei werden Unmengen von Brot ins Wasser geworfen, was zu einer ständigen Verschlechterung der Wasserqualität führt.
  • Der Fischbestand nimmt unkontrolliert zu, ebenso die Anzahl der Schildkröten.
  • Der Schilfgürtel ist bis auf wenige Reste in der Nähe des Cafés erneut zurückgegangen.
  • Man kann nur noch wenige Zentimeter tief ins Wasser blicken. Niemand würde in dieser Brühe noch baden wollen.

Es braucht die Hilfe von verständigen Anwohnern und einsichtsvollen Mitarbeitern der Ämter, dass sich etwas tut am Engelbecken.

Ob die beabsichtigte Rückgewinnung eines ökologischen Gleichgewichts bis zum Spätherbst warten kann, ist sehr fraglich.

Für den Bürgerverein Luisenstadt:

Volker Hobrack

14. Juli 2020


Wasserstand_Engelbecken_2018

Mehr lesen:

Engelbecken-Desaster I - Sommer 2020. Shitstorm oder Sturm im Wasserglas?


Füttern verboten 

Dieses Erklär- und Warnschild befindet sich im Original am Köppchensee im Naturschutzgebiet Tegeler Fließ.
Schul- und Hortkinder aus Pankow gestalteten es. Kinder verstehen es. Erwachsene sollte sich da nicht doofer stellen.

Großansicht der Grafik hier

Lesen Sie bitte "Erholung gern. Aber Füttern verboten! Und zwar darum!"

und auch "Engelbecken: Warum Enten (und Schwäne und alle anderen) füttern schädlich ist"


 

 

 

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