Engelbecken Gutachten Cover

So will es jedenfalls der Ausschuss für Umwelt, Natur, Verkehr und Grünflächen der Bezirksverordneten-Versammlung Mitte, der am 26. Januar 2021 tagte.

Aber der Reihe nach.

In der Sitzung wurden den Abgeordneten mehrere Experten-Gutachten zur Situation des Engelbeckens vorgestellt, die das Bezirksamt vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte.

Über ein Jahr lang wurden die geohydrologischen Gegebenheiten, der Zustand des Wassers und der Sedimente in dem knapp ein Hektar großen Teich sowie die Entwicklung des dortigen Fischbestandes untersucht.

Wie kann man das unter saisonalem Wasserschwund und schlechter Wasserqualität leidende Kleinod inmitten der denkmalgeschützten Gartenanlage des Luisenstädtischen Kanals am besten ökologisch sanieren?


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Inzwischen wurde auch die Präsentation (Abbildung oben) als PDF Dokument veröffentlicht. Link unterhalb des Beitrages.


In den qualifizierten Gutachten wird u.a. nachgewiesen, dass die alte Dichtung des einstmals als künstliches Becken angelegten Teiches beschädigt und somit funktionslos ist.

Das Engelbecken ist also, wie schon länger vermutet, nachweislich grundwassergesteuert und gleichzeitig ohne natürlichen Zu- und Abfluss.

Es wurde zwar einstmals künstlich hergestellt, wird aber nun in Berlin als Oberflächengewässer eingeordnet werden. Als - in amtsdeutsch - sogenanntes "stehendes Gewässer zweiter Ordnung" (da nicht schiffbar und nicht fließend) liegt die Gewässeraufsicht beim Bezirksamt und für die Unterhaltung ist letztendlich das Straßen- und Grünflächenamt zuständig. Damit ist schon mal eine wichtige Sache geklärt.

Es ist uns als Laien leider unmöglich die vielen Einzelaussagen der Gutachten hier wiederzugeben.
Wir werden uns aber darum bemühen, die Präsentation demnächst auf der Website des Bürgervereins öffentlich zu machen.

Hier nur einige interessante Daten, die wir als Gasthörer der Sitzung notiert haben:

Der Wasserhaushalt des Beckens ist über das Jahr stark schwankend (korreliert z.B mit den Pegelständen der Spree), in den letzten beiden Sommern überaus defizitär.

Die Wasserqualität des Engelbeckens ist in einer Abwärtsentwicklung.

Ein Haupttreiber ist der Phosphateintrag durch Algen und Fische, insbesondere aber auch durch massenhafte Tierfütterung.

Die erhebliche Nährstoffbelastung führte bereits zu einem sehr hohen biochemischen Sauerstoffbedarf.

Zur Zeit des Gutachtens befanden sich 1,35 Tonnen Fische im Becken.

Am Boden des Beckens wächst eine Schlammschicht, ca. 1 cm pro Jahr. Im Schnitt ist sie jetzt 20 cm dick und hat ein Trockenvolumen von 750 Kubikmetern (nass etwa 1800 Kubikmeter).

Das Engelbecken ist auch mit Schadstoffen belastet. Die zugelassene Belastung mit Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist überschritten, d.h. für Mensch und Tier gesundheitsschädlich. Fische aus dem Engelbecken dürfen somit in keine Nahrungskette gelangen.

Das Umwelt- und Naturschutzamt macht sich nun Gedanken, wie man das Engelbecken bestmöglich nach dem heutigen Stand von Technik und Wissenschaft und mit vertretbarem Aufwand erhalten und pflegen kann - und zwar so, dass sowohl Flora und Fauna als auch die Anwohner gut damit leben können. Das ist sicher sehr kompliziert und wird den Einsatz von viel Geld und Energie verlangen.

Erste Vorschläge für konkrete Maßnahmen gibt es seitens des Bezirksamtes bereits. Da es seit geraumer Zeit in der Bürgerschaft im Umfeld des Engelbeckens eine Diskussion über die Gewichtung des ökologischen Wertes als naturnahe Erholungsstätte versus des kulturellen Wertes als Gartendenkmal gibt, wird das alles sehr spannend.

Wir freuen uns deshalb ganz besonders darüber, dass der Ausschuss auf seiner Sitzung mehrheitlich beschlossen hat, das Bezirksamt aufzufordern, einen Bürgerdialog zum Engelbecken mit Darstellung des Gutachtens und der Maßnahmevorschläge durchzuführen.

PF


Engelbecken Gutachten Cover

 

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September 2020: Wir machten "Gemeinsame Sache" - und retteten mit Ihnen das Engelbecken

Enten füttern ist schädlich

Noch mehr "Engelbecken" auf unserer Website hier


 

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Kommentare  

#1 Oliver 2021-01-28 19:29
Im Dialog mit den Anwohnern klingt im ersten Moment wunderbar. Am Ende wird es eine planerische Katastrophe. Denn die Demokratie der Vielen bringt einem bei der Sanierung des Engelbeckens nicht zum Ziel.
Ich bin kein Fachmann, daher halte ich mich mit Vorschlägen zurück. Das Ziel ist klar.
#2 Oliver 2021-01-29 10:29
Das Plakat ist übrigens Mist. Bei dem Kindergekritzel ist nicht sofort erkennbar, um was es eigentlich gehen soll. Es fehlen zudem Englisch (und Türkisch). 2 Sprachen welche am Engelbecken fast häufiger zu hören sind als Deutsch. Und dann nicht nur ein Schild sondern min. 5 - eines für jeden Zugang.
#3 Peter Mann 2021-01-30 00:10
Diese wunderbare Schild ist wunderbar. Die werbliche Lernbotschaft ist doch klar: gestaltet von Kindern für Kinder, und zwar aus Gründen: Kinder lernen das, auch hoffentlich unterstützt in der Grundschule, und erziehen dann ihre Eltern, auch hoffentlich. Denn das ist auch klar - wir Erwachsenen haben Enten füttern "gelernt" - damals, als unsere Eltern mit uns spazieren gingen. Diese Gewohnheit ist schwer zu ändern.
Nichts gegen langweilige und amtliche Verbotsschilder - aber die werden doch meist ignoriert und verschwinden schnell.
#4 Oliver 2021-01-30 01:25
@Peter: Ich kenne zwei Damen, welche fortwährend ihr Weißbrot hier auskippen. Und nein, das Schild ist nicht ideal. Denn kein ausländischer Tourist wird es weder beachten noch verstehen.
#5 Peter Mann 2021-01-30 12:45
Es sind ja Parkläufer angekündigt.

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