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Paul Spies Direktor Interview 2021
Paul Spies, Direktor Stiftung Stadtmuseum Berlin
(Foto: Stadtmuseum Berlin)

Flanieren und verweilen auf der Waisenbrücke: "… einerseits pragmatisch bleiben, andererseits kreativ sein …"

Gespräch mit Paul Spies, Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin, am 22. April 2021

BVL: Seit Jahren setzt sich die Stiftung Stadtmuseum Berlin aktiv und medienwirksam für einen Neubau der Waisenbrücke ein., z.B. mit der Sommerakademie 2016 und dem wunderschönen Museumsfest. Du hast Ende 2020 in der Betroffenenvertretung Luise Nord gesagt: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich neben der Neugestaltung des historischen Stadtmuseums … auch noch um Brücken kümmern muss und als Stadtplaner gefordert bin." Was hat dich veranlasst, es zu tun?

P.S.: Es gibt zwei Gründe. Wenn das Märkische Museum und das Marinehaus renoviert sind, will man natürlich diese sehr ruhige Gegend beleben. Es ist wunderbar dort mit dem Park, aber es wird nicht wahr genommen von Besucher*innen, von Tourist*innen, von der Stadt. Es hat viel damit zu tun, dass die Wallstraße eine tote Ecke ist. Der ganze Verkehr geht über die Jannowitzbrücke und die Heinrich-Heine-Straße und man überspringt eigentlich diesen wunderbaren Ort, das Märkische Museum, den Köllnischen Park, den Historischen Hafen.

Es braucht auch eine Anbindung entlang der Spree. Die Brücke soll, so wie sie früher war, in der Achse eine Art Tunnel sein. Also wenn man von der anderen Seite kommt, als Fahrradfahrer*in, als Fußgänger*in, dann soll man das Gefühl haben, man geht richtig auf das Märkische Museum zu. Früher ging man über diese Brücke und hatte die Perspektive, dass man auf den Turm des Märkischen Museums zuging. Dann konnte man links oder rechtsherum um dieses schöne Gebäude gehen. Das war auch ein Teil der damaligen Stadtplanung des Stadtarchitekten Hoffmann, aber dieser wunderbare Gedanke von Stadtgestaltung ist weg!

Man kommt jetzt um die Ecke entlang der Jannowitzbrücke, an der Chinesischen Botschaft entlang und dann ist das Museum auf einmal an der linken Seite. Von der Wallstraße kommend sieht man auch nichts, weil die Bäume so groß gewachsen sind, dass man erst im allerletzten Moment auf der rechten Seite dieses wunderbare Gebäude wahrnimmt.

Der Weg über die Brücke wäre die Erschließung, die Wiedergeburt eines ganzen Stadtteils und des Konzepts eines Stadtarchitekten. Das geht gut zusammen mit den Plänen für einen Spreeweg. Man kommt an dieser Brücke an, überquert sie, zu Fuß oder mit dem Fahrrad und hat viele Möglichkeiten. Weiter Richtung Süden oder zwischen Märkischen Museum und Marinehaus zur Köpenicker Straße oder durch die Wallstraße, das geht dann weiter bis zur Potsdamer Straße. Man wird daran erinnert, dass das Museum existiert, dass dort Ausstellungen sind, auch Sonderausstellungen. Also die Brücke ist ein ganz wichtiges Element im Zuge der Renovierung und zur Revitalisierung des Märkischen Museums.


 


Waisenbrücke als belebendes und bereicherndes Element


Der andere Grund ist, es ist ein städtisches Baukonzept. Man braucht spannende Elemente in der Stadt, wie etwa die Oberbaumbrücke. Wir sollten etwas ganz Besonderes dahin bekommen, was einen Anlass gibt, um in diese Richtung zu gehen, die Stadt wieder zu erkunden.

Wenn man die Waisenstraße weiterläuft, kommt man an die alte Stadtmauer, man kommt "Zur letzten Instanz", man geht entlang des Gerichtsgebäudes. Man hat eine schöne Achse. Die Waisenbrücke wäre in östliche Richtung auch ein wunderbarer Radweg Richtung Alexanderplatz. Diese Brücke erschließt nicht nur diesen Stadtteil und das Märkische Museum käme dadurch wieder in den Blick, sie verbindet auch schöne Teile der Stadt, die noch existieren und umgeht sozusagen die weniger schönen Gegenden.

Früher dachte man, die Stadt muss für Autos gemacht werden. Wir wollen einen Umbruch, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, hin zum Spazieren und natürlich Fahrradwege. Diese Brücke kann dafür ein Knotenpunkt sein, ein Verteiler.

Entlang des Historischen Hafens, weiter Richtung Fischerinsel und dann geht es zum Humboldt-Forum oder zum Gertraudenmarkt mit dem House of One und demnächst dem Archäologischen Haus am Petri Platz und weiter entlang der Breite Straße. Diese Brücke kann eine wichtige Funktion haben.

Wenn man es entspannend mag, hält man an auf der Waisenbrücke. Es gab früher kleine Seitensprünge im Brückenbau, da konnte man verweilen, konnte ruhig dastehen und ins Wasser schauen, konnte die Stadt überblicken.


Waisenbruecke Marinehaus Maerkisches Museum 300

Städtisches Leben an der Waisenbrücke
(Abbildung: ©Stadtmuseum Berlin)


Diese neue Brücke sollte dann nicht nur ein Durchgangsweg sein, eine eilige Verbindung von A nach B. Sie soll auch die Leute zum Verweilen einladen, weil es etwas zu sehen gibt, dass man sich etwas erzählt. Es ist nicht nur eine Brücke ist als Infrastruktur, sondern auch als historischer Erzählungsmoment.

Ich freue mich darauf, dass diese Brücke die Menschen mal kurz festhält, wenn sie als Touristen oder als Stadtwanderer unterwegs sind. Es muss eine Brücke sein, wo man denkt, hier halte ich mal an. Dann sieht man das schöne Märkische Museum, die schönen Bauten an der Spree, man sieht bis zur Oberbaumbrücke. Also es wird ein schöner Ort sein. Ich denke, die Stadt braucht es, das Märkische Museum braucht es, der Köllnische Park braucht es.

Aber angefangen hat es eigentlich damit, dass ich dachte, ich werde nicht ein Museum renovieren für nur wenige Besucher, die dann kommen. Es braucht dafür auch einen zentralen Ort. Die Brücke macht aus dieser Umgebung einen zentralen Ort, mehr als das Märkische Museum es allein kann.

BVL: Die Brücke würde dann zum Flanieren und zum Verweilen einladen.

P.S.: Richtig. Als ich das erste Mal damit konfrontiert wurde, mich dafür einzusetzen, dachte ich, oh Gott, noch so eine große Aufgabe. Aber dann habe ich Fotos gesehen, wie es früher dort aussah und dachte, ja schau mal, die Brücke war ein Teil des Konzepts von Stadt. Das Märkische Museum stand nicht allein, es war ein Stadtteil, war ein zentraler Ort, so wie ein Rathaus in einer Kleinstadt.

BVL: Ja, es ist heute doch ziemlich isoliert. Wir gehen oft dort spazieren und denken, wie schön wäre hier eine kleine Brücke. Man könnte schnell rüber auf die andere Seite und dort weiter gehen, in den alten Teil von Berlin und wieder zurück. Der Blick dort am Wasser ist auch wunderbar, egal, in welche Richtung.

 


 


Interesse für Stadtgeschichte wecken

P.S.: Genau. Und von der Geschichte her - es war der Hafen, da hat Berlin seinen Ursprung, von da ging alles aus, das war der Grund, warum der Kurfürst sich auf einmal meldete aus Potsdam. Wie wichtig das Wasser in Berlin war, das ist völlig verloren gegangen.

Waisenbruecke 1780 300

Waisenbrücke um 1780, Kupferstich von Georg Rosenberg
(Abbildung ©Stadtmuseum Berlin)


Es gibt eine Menge Leute, die viel dafür tun, um das wieder ins Bewusstsein zurück zu holen, wie zum Beispiel Wolfgang Maennig vom Historischer Hafen. Der Historische Hafen liegt ein bisschen um die Ecke, es braucht einen natürlichen Weg, um ihn zu finden und die Umgebung zu entdecken.

Über die Fischerinsel kommen die Leute jetzt nicht unbedingt, aber das wird passieren, wenn dort wieder eine Brücke ist. Momentan kommen nur die Leute dort hin, die sich explizit für die Fischerinsel mit ihren Neubauten interessieren, die sehen wollen, wie dieser Kanal war oder wie die Stadt zerstört war. Aber es ist vergessen, wie zentral das alles lag. Dann hat man auch wieder Sympathie für eine Umgebung, die jetzt eher ein Parkplatz mit Hochhäusern ist.

BVL: Ja, es lohnt sich, die Fischerinsel zu entdecken, mal kann dort schön am Kanal entlang gehen. Der Historische Hafen, die Stiftung Stadtmuseum Berlin, der Bürgerverein Luisenstadt und etliche andere sind aktiver Teil der ALLIANZ NEUE WAISENBRÜCKE. Was versprichst du dir von diesem Zusammenschluss?

P.S.: Gemeinsam klarzumachen, dass es in der Stadtbevölkerung ein breites Interesse gibt für einen Wiederaufwachen dieses Stadtteils. Wenn ein Museum das sagt, heißt es, die wollen ja nur das Museum besser sichtbar machen. Aber wenn Bürger*innen der direkten Umgebung das auch gerne wollen, ist es etwas anderes. Es könnte auch kleinere Nachteile geben, die Gegend wird voller, man hat auf einmal viele Leute da, die vielleicht auch nachts fröhlich sind und etwas Lärm machen. Das muss man akzeptieren.

Wenn die Bevölkerung auch sagt, das finden wir wichtig, wir sind stolz auf unsere Umgebung, auf die Geschichte, die Gebäude, die es dort gibt, wir möchten das teilen mit der Stadt, mit den Besucher*innen der Stadt, dann wird es vielleicht eher gehört, dass diese Brücke zurückkommen soll. Wenn auch der Historische Hafen sagt, das gehört zu unserer Geschichte dazu, der Wassergeschichte, und wir freuen uns darauf, dass die Brücke wahrgenommen wird, wir darunter hindurch fahren und man die Geschichte dazu erzählen kann, das ist doch eine schöne Allianz.

Wir wollen viele unterschiedliche Personen dafür interessieren, wie Stadtliebhaber, die allgemein interessiert sind an Stadtgeschichte. Wenn ich als Museumsdirektor das allein fordere, ist doch die Reaktion, was ist das für ein Idiot, der denkt, dass er für sein Museum dort eine Brücke bekommt. Aber wenn viele unterschiedliche Bewohner*innen der Stadt auch ein Plädoyer dafür halten, wird ist es viel deutlicher, dass es für die Stadt von Bedeutung ist.

 


 


Mit dem Brückentag den Brückenneubau vorantreiben


BVL: Ich glaube nicht, dass sich die Leute beschweren, wenn dort mehr Leben ist. Es kommt darauf an, wie man die Anwohner*innen einbindet und ihre Anliegen ernst nimmt. Eine wichtige Aktion zum Vorantreiben des Brückenneubaus ist der für den 14. Mai 2021 vorgesehene "Brücketag". Erhoffst du dir davon auch eine breitere Unterstützung des Vorhabens?

P.S.: Wir dachten, dass Corona nicht mehr so schlimm ist. Was ich mir vorgestellt hatte, dass man eine bunte Truppe entlang der Spree organisieren könnte, wir mit viel Spaß einen Tag lang versuchen, von der anderen Seite der Spree herüberzukommen mit allerlei Aktionen, mit Booten, mit Fahrrädern im Wasser, auf Seilen die Spree überqueren, also etwas Lustiges, um klar zu machen, dass wir dort rüber wollen. Ein Tag voller witziger und humorvoller Veranstaltungen, um ein großes Publikum zu interessieren für dieses Thema.

Auch die Presse einzuladen, vielleicht mit Professionellen zu arbeiten, die zu tun haben mit Akrobatik oder mit Maschinerien. Und natürlich auch mit Jugendlichen, die einen Wettbewerb machen. Also ein großes Fest, unterstützt vom Historischen Hafen. Und dass man vielleicht am Ende des Tages die Spree dort überqueren kann, weil die Schiffe sich in einer Kette verbunden haben mit zwischenzeitlichen Bohlen und man leicht von einer Seite auf die andere kommt. Um einen Eindruck zu vermitteln, wie es sein wird, die Spree dort zu überqueren.

Aber das geht nun nicht, wir dürfen keine Veranstaltungen machen, das Risiko ist zu groß. Wir können in der jetzigen Situation auch keine großen Vorbereitungen treffen, weil wir nicht wissen, was stattfinden kann, es gibt strenge Vorgaben für Veranstaltungen. Wir müssen daher sehr gut überlegen, was man an dem Tag machen kann und sollte. Der Historische Hafen wird etwas machen. Wir verschieben unsere Ideen auf später, wenn es wieder möglich ist und machen dafür etwas digital Wunderbares an dem Tag.

Es war auch ein Wortspiel, am Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende einen "Brücketag" zu veranstalten. Damit können wir auch nächstes Jahr oder die kommenden Jahre mit weiter machen, bis die Entscheidung gefallen ist. Ich stelle mir vor, dass wir jetzt etwas mit Bildern machen, mit Fotografien, mit dem Internet, was man später noch benutzen kann. Also wenn etwas passiert, müssen wir es gut dokumentieren.

 


 


Digitaler Wettbewerb zum Brückentag


Das Stadtmuseum hat sich schon vor einigen Monaten entschieden, einen Wettbewerb (www.Stadtmuseum.de/waisenbruecke-berlin-alte-mitte-wieder-verbinden zu veranstalten. Den machen wir zusammen mit einer Organisation, die ein sehr populäres digitales Spiel entwickelt hat, "Cities: Skylines". Die Leute können im Internet ihre eigene Stadt bauen. Die Idee ist, an dem Ort, wo die Waisenbrücke war, unterschiedliche Vorschläge zur neuen Gestaltung entstehen zu lassen, die zwar von digitalen Nerds gemacht wird, aber auch in Zusammenarbeit mit Architekten und Stadtplanern.

Wenn man mit diesen Leuten so etwas macht, kann man erwarten, dass sehr schöne Modelle in 3D entstehen, die man drehen und von weitem sehen kann, oder in die man hineingehen oder hineinfliegen kann. Ich erwarte daher schöne Gestaltungen, Ideen, die es auch möglich machen, dass man sich etwas erzählt auf dieser Brücke, dass es nicht nur eine Brücke ist als Infrastruktur, sondern auch als historischer Erzählungsmoment.

Und es ist auch gleich eine Plattform der öffentlichen Verteilung. Über die Weiterleitung an die Presse oder andere Medien, die auch mit Internet arbeiten, kann es eine größere Bekanntheit bekommen. Wir haben eine digitale Plattform gesucht und gefunden und freuen uns, dass alles klappt und wir Unterstützung und Entwürfe bekommen, ohne dass weitere Kosten entstehen. Das ist ein kreatives Projekt von leidenschaftlichen Personen, die digitale Welt- und Stadtentwicklung zusammenbringen. Es ist eine Alternative für eine Veranstaltung, die momentan nicht stattfinden darf.

Am Brückentag findet um 16.00 Uhr die Preisverleihung statt - im Vorfeld tagt eine hochkarätige Jury und entscheidet, welcher Entwurf gewinnt. Ich hoffe, dass viele Menschen digital dabei sind, auch die Presse die Resultate gut aufnimmt und es eine breite Berichterstattung darüber geben wird.

BVL: Wenn ich eure Pressemitteilung richtig verstanden habe, kann dabei nur mitmachen, wer eine Version dieses Spiels "Cities: Skylines" besitzt. Ist der Adressatenkreis dadurch nicht recht eingeschränkt?

P.S.: Der Mitmacherkreis, ja, der ist eingeschränkt. Wir werden natürlich dafür sorgen, dass die Gewinner auch in anderen Medien veröffentlicht werden. Aber wir finden es auch wichtig, in der Aufstellung einer breiten Interessengruppe die digitale Welt mit einzubeziehen. Das ist eine große internationale Community, in Berlin sind es auch viele Interessierte.

Es ist keine Alternative für eine wirkliche Begegnung, die ich zur jetzigen Zeit absolut nicht wünsche. Es ist ein Experiment, eine neue Entwicklung auch für ein Stadtmuseum. Es ist interessant, mit dieser Gruppe arbeiten zu können. Wir erwarten, dass es danach weiter geht, denn wir haben als Stadtmuseum öfter mit Stadtentwicklungsaspekten zu tun. Es ist eher eine gezielte Aktion, um eine neue Zielgruppe anzusprechen und um schöne Resultate zeigen zu können.

Wir möchten trotzdem später diesen Brückentag mit einer Feier und vielen Aktionen organisieren. Vielleicht nächstes Jahr, oder wenn es zwischendurch geht. Aber Corona hat es uns jetzt unmöglich gemacht.

 


 


Was lange währt ...


BVL: Der Neubau der Waisenbrücke ist schon seit etlichen Jahren in Stadtplanungsunterlagen vorgesehen. Du hast mittlerweile Erfahrung mir der Berliner Verwaltung. Für wie realistisch hältst du es, dass ein Brückenneubau tatsächlich noch bis 2025 erfolgt bzw. zumindest begonnen wird? Gehst du davon aus, dass du noch als Museumsleiter über eine neue Waisenbrücke gehen kannst?

P.S.: Na ja, es ist niemals zu spät. Als ich 2016 anfing, habe ich mit Frau Lüscher im Nikolaiviertel Mittag gegessen und ihr gleich gesagt: "Frau Lüscher, wir brauchen die Waisenbrücke zurück." Sie schaut mich an und sagt. "Ja, das ist eine sympathische Idee, aber bei meinem Kollegen liegt auf dem Schreibtisch ein Riesenstapel von maroden Brücken." Das sind Brücken, die sind sozusagen systemrelevant.

Die Aussage war, da müssen sie Geduld haben. Sie sind nicht im oberen Teil dieses Stapels, sie werden sehr wahrscheinlich eher unten in diesem Stapel abgelegt. Das habe ich auch verstanden, und dass es ein schwieriger Kampf um Priorität wird.


Waisenbruecke Maerkisches Museum 2021 300

Blick über die Spree auf Märkisches Museum, 2013
(Foto: Jochen Wermann ©Stadtmuseum Berlin)


Wenn es uns gelingt, immer mehr Leute dafür zu interessieren, gibt es vielleicht doch eine Ausnahme. Und dafür brauchen wir solche Aktionen, wie wir uns ausgedacht haben. Also die große Freiluftveranstaltung wird vertagt, aber es ist schön, dass sich schon so viele unterschiedliche Menschen gefunden haben, das zu unterstützen. Ich werde es mit Sicherheit mitmachen in meinem Leben, aber ob es zur fertigen Renovierung des Märkischen Museums 2025/26 so weit ist, das bezweifle ich.

Es muss kein komplizierter Bau werden. Wir müssen darauf achten, dass es ein Blickfang wird, dass es spannend wird, es soll auch funktionell sein, und es muss sicher sein. Also eine Brücke, wo man nicht in Gefahr gerät, weil sie vielleicht zu steil oder zu offen ist und dass man nicht ins Wasser fällt. Auf die Brandschutz- und Sicherheitsmaßnahmen müssen wir gut achten, sonst gibt es eine ewige Genehmigungsproblematik. Also man muss einerseits pragmatisch bleiben, und andererseits muss man kreativ sein.

Aber es darf es auch keine teure Brücke werden. Sie ist ja nicht für den Verkehr bestimmt, sondern für Passanten und Fahrräder. Es gibt die Mühlendammbrücke, die Jannowitzbrücke, dort wird für sehr viel Geld für den Autoverkehr renoviert. Wir wollen es anders machen, wir wollen nicht, dass es der Stadt eine Stange Geld kostet und noch dazu nicht schön aussieht. Wir wollen mit Kreativen, mit modernen Denkern, die neues Material natürlicher Herkunft entwickelt haben, aus Holz oder aus einem anderen nachhaltigen Material …

BVL: Bambus wäre auch eine Möglichkeit.

P.S.: Genau, Bambus. Die Erbauer dieser Art von Brücken sind schlaue und fachtechnisch gute Spezialist*innen. Natürlich muss alles durch alle Genehmigungshürden, die man sich denken kann, kommen.

Aber diese Brücke soll auch ein Statement sein, dass es nicht so kostspielig und trotzdem sehr schön und nachhaltig entwickelt werden kann. Dazu brauchen wir nicht die traditionellen großen Bauunternehmen, dazu brauchen wir Modernisten aus aller Welt, die aus einem neuartigen Denken und neuem Baumaterial Sachen entwickeln. Wenn das gelingt, hat man auch ein Modell geschaffen, das für sehr viele andere Bauten für die Stadt oder auch für die Welt von großem Nutzen sein kann.

Bambus ist ein gutes Beispiel. Auf Bali habe ich eine internationale Schule besucht "The Green School" (für mehr Informationen:www.GreenSchool.org). Die ganze Schule war aus Bambus gebaut. Unwahrscheinlich schön, geschickt und praktisch. Und alles war mit viel weniger Kosten verbunden, als normale Bauten mit üblichen Baumaterialien kosten würden. Dazu noch sehr nachhaltig. Solche Pläne brauchen wir.

 


 


Wann wieder ins Märkische Museum?


BVL: Das wäre auch eine schöne Verbindung zwischen Moderne und Tradition. Eigentlich wollte ich noch fragen, wann wir wieder ins Märkische Museum gehen können. In einigen Berliner Museen gibt bzw. gab es ja die Möglichkeit mit Zeitfenstertickets und negativem Corona-Test. Aber nun ist heute die Bundesnotbremse zu Corona verabschiedet worden, und sehr wahrscheinlich müssen wir uns noch länger gedulden.

P.S.: Ja, das Gesetz läuft ja erstmal bis Ende Juni, wir müssen bei den Inzidenzen nun fünf Tage hintereinander unter 100 bleiben, dann dürfen wir wieder eröffnen. Das ist bei den derzeitigen Zahlen noch ein langer Weg, ich denke, dass es mindesten noch einen Monat oder noch länger dauert.

Das Humboldt Forum möchten wir auch gerne eröffnen. Wir haben uns heute gezwungenermaßen entscheiden müssen für eine Eröffnung am 21. Juli. Ich habe einen früheren Termin versucht, aber das war das Maximum, was zu erreichen war. Wir sind fertig, aber es kostet ungefähr acht Wochen Vorbereitungszeit, man muss Personal bereit haben und vieles mehr. Wenn man Ende Mai/Anfang Juni weiß, ob die Inzidenzen in eine gute Richtung gehen, können wir wahrscheinlich am 21. Juli eröffnen. Wenn am 1. Juni die Zahlen nicht weit genug runter sind, dann müssen wir noch weiter verschieben.

Das Märkische Museum könnten wir im Prinzip von einem auf den anderen Tag eröffnen. Wir haben die Zeit jetzt genutzt, um einige Verbesserungen durchzuführen, auch Vorbereitungen für die Renovierung vorzunehmen. Es fanden Probebohrungen statt, um zu untersuchen, was zwischen den Decken und den Böden ist, welche Baumaterialien benutzt wurden und in welchem Zustand sie sind. Das ist eine wichtige Vorbereitungsmaßname, für die wir die Corona bedingte Schließung genutzt haben. Die Bohrungen sind fertig und wir möchten natürlich so schnell wie möglich wieder eröffnen.

BVL: Bohrungen ist ein gutes Stichwort, du kennst bestimmt das deutsche Sprichwort, da muss man dicke Bretter bohren. Um den Bogen zur ALLIANZ FÜR DIE WAISENBRÜCKE zu schlagen, wenn viele an einem Brett bohren, dann besteht Hoffnung, dass es schneller geht.

P.S.: Nur mit Optimismus und Vertrauen, dass es uns gelingt, hat es Sinn, es zu tun. Und wenn es nicht bis 2025 oder 2026 gelingt, sondern ein oder zwei Jahre später, ist es immer noch besser als gar nicht. Wir renovieren das Märkische Museum für die kommenden 100 Jahre, nicht für das Eröffnungsjahr.

BVL: Das ist eine gute Herangehensweise. Wir sind neugierig auf die Wettbewerbsergebnisse, freuen uns auf eine Wiedereröffnung des Märkischen Museums und hoffen auf die Eröffnung des Humboldt Forums im Juli. Danke für deine Zeit und das Gespräch.


Das Gespräch führte Beate Leopold (Bürgerverein Luisenstadt)



Der Brückentag

Am Freitag, 14. Mai 2021, von 13 Uhr bis 16 Uhr

Geplantes Programm

  • Internationaler Computerspielwettbewerb „Let's Build Berlin“
  • Die „Flotte“ des Historischen Hafens wird zwischen den Ufern der Spree eine symbolische “Brücke bauen“ und somit die Spree für mehrere Stunden sperren.
  • Spaziergang entlang den Ufern der Spree in diesem Gebiet.

Bei einer Teilnahme am Spaziergang bitten wir Sie, die Hygiene- und Abstandsregelungen unbedingt einzuhalten.


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