Neuerscheinung: Biogramme früher Nationalsozialisten - Die einzigartige Sammlung des Theodore Abel

Dorothea Krause, Mitglied im Bürgerverein Luisenstadt, hat dieses fast 1.000-seitige Werk gelesen und sich genauer angeschaut. Herausgegeber der Sammlung "Warum ich Nazi wurde" ist Wieland Giebel vom BERLIN STORY VERLAG, der ebenfalls als Mitglied unseren Bürgerverein unterstützt.

Am Samstag, den 23. März 2019, stellt Herausgeber Wieland Giebel, ebenfalls Mitglied in unserem Bürgerverein, das Buch persönlich in der Buchhandlung Moritzplatz vor. Info hier
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Wer sich fragt, wie es möglich wurde, dass das verbrecherische Nazi-System überhaupt an die Macht kommen konnte, sollte dieses Buch lesen.

Man weiß ja, dass Hitlers Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei NSDAP so stark war, dass sie über normale Wahlen in den Reichstag gekommen ist. Sie wird zweitstärkste Partei bei der Reichstagswahl 1930. Zu Hitlers "Machtergreifung" kam es am 30. Januar 1933. Erst danach konnte Hitler ja den Reichstag auflösen und die Immunität der Abgeordneten aufheben.

Man kann das nur aus der Zeit der 20er Jahre heraus versuchen zu verstehen.

Der Krieg war 1918 verloren. Der Kaiser hatte abgedankt, der Militärapparat aber blieb im Wesentlichen. Die Regierung der neuen Weimarer Republik musste den Versailler Vertrag unterschreiben, der Deutschland um 13% seines vorherigen Gebietes verkleinerte und eine schwere Wirtschaftskrise zur Folge hatte.

Es kam zur Inflation. Millionen wurden arbeitslos. Jedoch war Arbeitslosigkeit etwas anderes, als heute bei uns. Es gab nur eine geringe Arbeitslosenunterstützung, welche das Existenzminimum keineswegs sicherte. Länger arbeitslos zu sein bedeutete für die Betroffenen und ihre Familien die blanke Not. Hunger, heruntergekommene Kleidung, kaputte Schuhe, Angst vor der Zukunft, Verlust der Selbstachtung. Geschäftemacher nutzten die Not der Arbeitslosen aus und beschäftigten sie für Hungerlöhne.

Verzweifelte Familienväter ließen sich für ein paar Mark zu krummen Geschäften verleiten, was ihren Stolz zusätzlich zerstörte. So waren große Teile der Bevölkerung verunsichert, unzufrieden und wütend. Und das betraf nicht nur die Arbeiter. Auch die Geschäftsleute, Händler und Handwerker, der sog. Mittelstand, litt darunter, es fehlte an einer zahlungskräftigen Kundschaft. Bettler sah man immer öfter, Obdachlosigkeit drohte, wenn das Geld für die Miete ausging.

Es gibt viel Literatur darüber!

Von der Regierung kam nichts. Die deutschen Arbeiter, die kleinen und mittleren Angestellten, die schon im Krieg ihre Haut zu Markte getragen hatten, wollten so nicht leben! Aber wo war ein Ausweg?

Deshalb trafen die Versammlungen, auf denen Hitler sprach, zunächst in München, auf großes Interesse. Da war einer, der an den Stolz des Deutschen Volkes appellierte! Mal hingehen, mal hören, was er sagt… Und er sprach von dem "Versailler Schandvertrag", der weg müsste, er hielt ein Ende der Arbeitslosigkeit für möglich, er zeigte Auswege aus der gegenwärtigen Misere auf, er verbreitete Hoffnung. Ja, das klang gut! Hitlers Veranstaltungen und bald auch die seiner Getreuen mussten in immer größere Säle verlegt werden.

Wen diese Ziele ansprachen, der konnte selbst mit zupacken, er müsste sich nur Hitlers "Bewegung" anschließen. Und das taten sehr viele! Hier war wieder das, was sie eigentlich wollten: "In Treue zusammenstehen", gemeinsam etwas schaffen, die Selbstachtung wiederfinden!

Wie hieß Hitlers "Bewegung"?

Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands! "Sozialistisch" klang gut, war so ähnlich wie "sozialdemokratisch". "Arbeiterpartei" klang erst recht gut, es waren ja doch überwiegend Arbeiter, die von den Missständen am stärksten betroffen waren. Und "national" war auch richtig, denn es ging ja um Deutschland, das wieder groß werden sollte! So wurde Hitlers NSDAP bis Ende der 20er Jahre zu einer Massenpartei. Und eine immer größere Anzahl junger Männer meldete sich bei der SA (Sturmabteilung) oder SS (Schutzstaffel), beides paramilitärische Verbände, die für den "Führer" alles taten. Sie bildeten das Gerüst seiner Macht.

Es heißt ja immer, die Großindustrie hätte Hitler unterstützt und seiner Partei zur Macht verholfen. Hat sie ja auch, aber erst, nachdem sie sich überzeugt hatte, dass sein Rückhalt in der breiten Bevölkerung groß und stabil genug war. "Hitler wäre ins Leere gelaufen, wenn nicht Hunderttausende ihm gefolgt wären." (Seite 15)

Und nun zu diesem Buch:

"In diesem Buch geht es um die große Menge kleiner Nazis" (Seite 15).

Der amerikanische Professor Theodore Fred Abel wollte die genauen Beweggründe dieser Menschen kennen lernen. Warum waren sie Nazis geworden? Abel sprach ausgezeichnet Deutsch. Er war, als er im Jahr 1933 seine Familie in Polen besuchte, auch in Berlin und hatte hier festgestellt, dass viele Nazis gern über ihre "Kampfzeit" sprachen. Dadurch war er auf die Idee gekommen, ein Preisausschreiben für die beste persönliche Lebensgeschichte eines Anhängers der Hitlerbewegung zu initiieren. Zugelassen waren alle Personen, die vor dem 1.1.1933 Mitglieder der NSDAP waren oder mit der Bewegung sympathisiert hatten.

Es sollte eine genaue Lebensgeschichte sein, damit die Amerikaner die Beweggründe besser verstehen könnten! Ausgeschrieben waren "Preise im Wert von 400 Mark für die beste persönliche Lebensgeschichte eines Anhängers der Hitlerbewegung". (Seite 17) Endtermin der Einsendung war August 1934. Das Preisausschreiben wurde von den Nazi-Behörden zunächst zugelassen.

Es war die Zeit, in der Hitler noch um internationale Anerkennung warb.

Der Erfolg war erstaunlich! Es gingen 683 Berichte ein. Professor Abel veröffentlichte in den USA ein Buch darüber. Ausgesondert hatte er übermäßig lange Berichte und solche, die das Thema verfehlten. So werden in seinem Buch 585 Biogramme in Faksimile veröffentlicht. Die Biogramme sind sauber, meist mit Schreibmaschine, geschrieben. Es sind ehrliche Darstellungen. Die Autoren bemühen sich, möglichst genau zu beschreiben, warum sie Nazi, warum sie Alte Kämpfer wurden.

"Alter Kämpfer" war ein Ehrentitel für Parteimitglieder, die schon vor der "Machtergreifung" in die NSDAP eingetreten waren. Diese Sammlung ist die umfassendste und gründlichste historische Darstellung der Entstehung der Nazi-Bewegung überhaupt! Die Autoren sind bestrebt, mit unverkennbarem Stolz ihren persönlichen Beitrag zur "Machtergreifung des Führers" so ehrlich wie möglich dauerhaft festzuhalten.

Abels Buch wurde nie ins Deutsche übersetzt und hier veröffentlicht, obwohl es eine breite wissenschaftliche Forschung zu Hitler und zum Nazi-Staat gibt. Spätere Beschreibungen von Nazi-Lebensläufen - nach den Erfahrungen des Holocaust und des 2. Weltkrieges - haben diese Unmittelbarkeit nicht mehr. Scham, Verschleierungsversuche und auch Angst steuern die späteren Verfasser. Ihnen fehlt die Genauigkeit der Darstellung, die den Autoren der in Abels Buch enthaltenen Originalbiogramme eigen ist.

Nun liegen auch uns in Deutschland diese atemberaubenden Biogramme vor!

Das große Buch "Warum ich Nazi wurde" enthält auf den Seiten 201 bis 856 die wichtigsten 85 Biogramme. Beim Lesen bekommt man den Eindruck, als würde ein Vorhang aufgerissen!

Es ist ein besonderes Verdienst Wieland Giebels, dass er auf dieses einmalige Material aufmerksam wurde und es aus den USA kommen ließ. So konnte er das vorliegende Buch (923 Seiten) herausgeben, in einer Zeit, die unser aller Aufmerksamkeit herausfordert, um Freiheit und Demokratie zu schützen. Dafür gilt ihm unser Dank!
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Dr.-Ing. Dorothea Krause, 2. November 2018


 WarumNazi Cover 400

Zur Verlagsseite des Buches mit weiteren Informationen


Am Samstag, den 3. März 2019, stellt Herausgeber Wieland Giebel, ebenfalls Mitglied in unserem Bürgerverein, das Buch persönlich in der Buchhandlung Moritzplatz vor. Info hier


 

 

 

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Nun immer wieder sonntags: Wasser für die Bäume am Heinrich-Heine-Platz

Es geht wieder los

Unsere AG Grün für Luise hat schon Standrohre zum Anzapfen der Hydranten besorgt und wird am Sonntag, den 3. Mai 2020 um 18 Uhr mit den Baumgieß-Aktionen auf dem Heinrich-Heine-Platz beginnen.

Im vergangenen Jahr haben wir auf dem Michaelkirchplatz, rings um die St. Michaelkirche, Bäume und Pflanzen gewässert. Um das in diesem Jahr regelmäßiger und organisierter tun zu können, haben wir beim Bezirk Mitte Fördermittel für die Anschaffung einer Gerätebox beantragt und auch erhalten.

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Buch und Video: Vor 100 Jahren wurde die historisch gewachsene Luisenstadt geteilt

"Kreuzberg - das andere Berlin"

In allerletzter Minute vor dem Erinnerungstag "100 Jahre Groß-Berlin" ist es dem Autor Jürgen Enkemann gelungen, mit Unterstützung des Vereins Möckernkiez e.V. ein Youtube-Video zu produzieren zur Vorstellung seines neuen Buch über 'Kreuzberg - das andere Berlin', das nun noch im Laufe des Mai 2020 beim Verlag für Berlin und Brandenburg erscheint.

Das Video finden Sie unten in diesem Beitrag direkt zum Anschauen.

Am 27. April vor 100 Jahren wurde das Groß-Berlin-Gesetz beschlossen, das am 1. Oktober 1920 in Kraft trat und neue Bezirksbildungen festlegte, so z.B. die Bildung des Bezirks Kreuzberg (zunächst noch unter anderem Namen) unter Aufteilung der historisch gewachsenen Luisenstadt auf Mitte und Kreuzberg.

Das Buch enthält neben vielen Texten und Bildern über die alternative Kreuzberger Szene auch einen Beitrag über den Bürgerverein Luisenstadt mit zwei Fotos von Michael Hughes über die Gründungsversammlung.

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Geplant - aber verschoben: Unsere Führung durch die Späth‘schen Baumschulen


Diese von unserer AG Geschichte für Sa 25. April 2020 geplante Führung über das historische Gartengelände in Berlin-Treptow fällt leider zu diesem Termin erst einmal aus und wird "auf später" verschoben.


Bild oben: Von Franz Späth 1874 erbautes Herrenhaus. Heute Gebäude des Instituts für Spezielle Botanik der Humboldt-Universität (Foto: Daniela Incoronato)

Sie sind das älteste produzierende Unternehmen Berlins und eine "echte Berliner Pflanze" mit großer Geschichte: die Späth’schen Baumschulen. 1720 wurde das Traditionsunternehmen von Christoph Späth vor dem Halleschen Tor gegründet. Sein Sohn Carl verlegte die Gärtnerei 1760 in die Luisenstadt an die Köpenicker Straße. 1864 erfolgte der erneute Umzug an den heutigen Standort in Berlin-Treptow. Hier entwickelten sich die Späth’schen Baumschulen zur einst größten Anzucht-Baumschule der Welt. Hier traf sie die volle Dramatik der historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts.

Die Führung gibt Einblick in die historischen Gebäude und Pflanzen ebenso wie in die aktuellen Entwicklungen auf dem Gelände.

Sie können aber auch jederzeit individuell dort vorbeischauen ... Späth ist "systemrelevant" und geöffnet. Und so siehts dort aus ... kleiner Rundblick bei einem Besuch per Fahrrad:

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April 2020: Neue Nachrichten vom Gebietsbetreuer der Nördlichen Luisenstadt

Im Newsletter des Gebietsbetreuers KOsP lesen wir zu folgenden Themen:

  • Aktuelle Arbeitssituation im Bezirksamt und in der Senatsverwaltung
  • Stadtteilladen dialog 101
  • Terminplanung U-Bahnhof Heinrich-Heine / Vorplatz Köpenicker Straße 101
  • Entwicklungen am Kulturstandort Bärenzwinger
  • ISEK Luisenstadt Mitte
  • Bodenrichtwerte 2020 (siehe Abbildung oben)
    Mit Stand 1.1.2020 beträgt der Bodenrichtwert im Sanierungsgebiet 6.500 €/m² (bezogen auf Mischgebiet M2 mit einer GFZ von 2,5, siehe Karte). Seit der Festlegung des Sanierungsgebietes im Jahr 2012 (Bodenrichtwert 500 €/m²) steigt der Bodenrichtwert kontinuierlich und deutlich an. Der aktuelle Planausschnitt zeigt die Bodenrichtwerte des Sanierungsgebiets inkl. Umgebung, die Grafik die Bodenrichtwertentwicklung seit 2012. Sie haben sich verzwölffacht - Grüne Linie. Mit anderen Worten: in acht Jahren ein Wertzuwachs um sagenhafte 1.300% (!).
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Mehr "Gabenzäune" auch in der Luisenstadt!

Mitteilung. Aufruf
"Gabenzaun"

"Ich habe in der Köpenicker Str. am Zaun des Nachbarschaftsgarten einen Gabenzaun eingerichtet.

Vielleicht könnt ihr das in eurer Nachbarschaft auch machen oder benötigte Dinge spenden.

I set up a gift fence on the fence of the neighborhood garden in Köpenicker Str. Maybe you can do that in your neighborhood and donate important things."


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März/April 20: ecke köpenicker No. 1 erschienen

Die ecke No. 1 für die Monate März und April 2020 mit den Schwerpunkten Köpenicker Straße, Waisenbrücke, Radverkehr, Bürgerbeteiligung, Engelbecken, Mietendeckel und Groß Berlin informiert aktuell und auch mit Hintergrund-Infos zu weiteren Themen *):

  • DAZ: Briefe an den Bürgermeister Müller - Ideen für ein zukunftsfähiges Berlin
  • Keine Fahrradstadt ohne Waisenbrücke! Mehr Konzentration auf bezirkliche  Radrouten erforderlich
  • Beispiel Köpenicker: Kamikaze auf den Radwegen - von Volker Hobrack (Bürgerverein)
  • "Preußen am  Schlesischen Tor" - Dieter Hoffmann-Axthelm erzählt die über 400-jährige Geschichte der Köpenicker Straße. Von Frauke Mahrt-Thomsen (Gründungsmitglied Bürgerverein)
  • Füttern verboten! Warum? Am Engelbecken und am Luisenstädtischen Kanal ist das Füttern von Wildtieren künftig grundsätzlich verboten.
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