WarumNazi Cover 400

Neuerscheinung: Biogramme früher Nationalsozialisten - Die einzigartige Sammlung des Theodore Abel

Dorothea Krause, Mitglied im Bürgerverein Luisenstadt, hat dieses fast 1.000-seitige Werk gelesen und sich genauer angeschaut. Herausgegeber der Sammlung "Warum ich Nazi wurde" ist Wieland Giebel vom BERLIN STORY VERLAG, der ebenfalls als Mitglied unseren Bürgerverein unterstützt.
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Wer sich fragt, wie es möglich wurde, dass das verbrecherische Nazi-System überhaupt an die Macht kommen konnte, sollte dieses Buch lesen.

Man weiß ja, dass Hitlers Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei NSDAP so stark war, dass sie über normale Wahlen in den Reichstag gekommen ist. Sie wird zweitstärkste Partei bei der Reichstagswahl 1930. Zu Hitlers "Machtergreifung" kam es am 30. Januar 1933. Erst danach konnte Hitler ja den Reichstag auflösen und die Immunität der Abgeordneten aufheben.

Man kann das nur aus der Zeit der 20er Jahre heraus versuchen zu verstehen.

Der Krieg war 1918 verloren. Der Kaiser hatte abgedankt, der Militärapparat aber blieb im Wesentlichen. Die Regierung der neuen Weimarer Republik musste den Versailler Vertrag unterschreiben, der Deutschland um 13% seines vorherigen Gebietes verkleinerte und eine schwere Wirtschaftskrise zur Folge hatte.

Es kam zur Inflation. Millionen wurden arbeitslos. Jedoch war Arbeitslosigkeit etwas anderes, als heute bei uns. Es gab nur eine geringe Arbeitslosenunterstützung, welche das Existenzminimum keineswegs sicherte. Länger arbeitslos zu sein bedeutete für die Betroffenen und ihre Familien die blanke Not. Hunger, heruntergekommene Kleidung, kaputte Schuhe, Angst vor der Zukunft, Verlust der Selbstachtung. Geschäftemacher nutzten die Not der Arbeitslosen aus und beschäftigten sie für Hungerlöhne.

Verzweifelte Familienväter ließen sich für ein paar Mark zu krummen Geschäften verleiten, was ihren Stolz zusätzlich zerstörte. So waren große Teile der Bevölkerung verunsichert, unzufrieden und wütend. Und das betraf nicht nur die Arbeiter. Auch die Geschäftsleute, Händler und Handwerker, der sog. Mittelstand, litt darunter, es fehlte an einer zahlungskräftigen Kundschaft. Bettler sah man immer öfter, Obdachlosigkeit drohte, wenn das Geld für die Miete ausging.

Es gibt viel Literatur darüber!

Von der Regierung kam nichts. Die deutschen Arbeiter, die kleinen und mittleren Angestellten, die schon im Krieg ihre Haut zu Markte getragen hatten, wollten so nicht leben! Aber wo war ein Ausweg?

Deshalb trafen die Versammlungen, auf denen Hitler sprach, zunächst in München, auf großes Interesse. Da war einer, der an den Stolz des Deutschen Volkes appellierte! Mal hingehen, mal hören, was er sagt… Und er sprach von dem "Versailler Schandvertrag", der weg müsste, er hielt ein Ende der Arbeitslosigkeit für möglich, er zeigte Auswege aus der gegenwärtigen Misere auf, er verbreitete Hoffnung. Ja, das klang gut! Hitlers Veranstaltungen und bald auch die seiner Getreuen mussten in immer größere Säle verlegt werden.

Wen diese Ziele ansprachen, der konnte selbst mit zupacken, er müsste sich nur Hitlers "Bewegung" anschließen. Und das taten sehr viele! Hier war wieder das, was sie eigentlich wollten: "In Treue zusammenstehen", gemeinsam etwas schaffen, die Selbstachtung wiederfinden!

Wie hieß Hitlers "Bewegung"?

Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands! "Sozialistisch" klang gut, war so ähnlich wie "sozialdemokratisch". "Arbeiterpartei" klang erst recht gut, es waren ja doch überwiegend Arbeiter, die von den Missständen am stärksten betroffen waren. Und "national" war auch richtig, denn es ging ja um Deutschland, das wieder groß werden sollte! So wurde Hitlers NSDAP bis Ende der 20er Jahre zu einer Massenpartei. Und eine immer größere Anzahl junger Männer meldete sich bei der SA (Sturmabteilung) oder SS (Schutzstaffel), beides paramilitärische Verbände, die für den "Führer" alles taten. Sie bildeten das Gerüst seiner Macht.

Es heißt ja immer, die Großindustrie hätte Hitler unterstützt und seiner Partei zur Macht verholfen. Hat sie ja auch, aber erst, nachdem sie sich überzeugt hatte, dass sein Rückhalt in der breiten Bevölkerung groß und stabil genug war. "Hitler wäre ins Leere gelaufen, wenn nicht Hunderttausende ihm gefolgt wären." (Seite 15)

Und nun zu diesem Buch:

"In diesem Buch geht es um die große Menge kleiner Nazis" (Seite 15).

Der amerikanische Professor Theodore Fred Abel wollte die genauen Beweggründe dieser Menschen kennen lernen. Warum waren sie Nazis geworden? Abel sprach ausgezeichnet Deutsch. Er war, als er im Jahr 1933 seine Familie in Polen besuchte, auch in Berlin und hatte hier festgestellt, dass viele Nazis gern über ihre "Kampfzeit" sprachen. Dadurch war er auf die Idee gekommen, ein Preisausschreiben für die beste persönliche Lebensgeschichte eines Anhängers der Hitlerbewegung zu initiieren. Zugelassen waren alle Personen, die vor dem 1.1.1933 Mitglieder der NSDAP waren oder mit der Bewegung sympathisiert hatten.

Es sollte eine genaue Lebensgeschichte sein, damit die Amerikaner die Beweggründe besser verstehen könnten! Ausgeschrieben waren "Preise im Wert von 400 Mark für die beste persönliche Lebensgeschichte eines Anhängers der Hitlerbewegung". (Seite 17) Endtermin der Einsendung war August 1934. Das Preisausschreiben wurde von den Nazi-Behörden zunächst zugelassen.

Es war die Zeit, in der Hitler noch um internationale Anerkennung warb.

Der Erfolg war erstaunlich! Es gingen 683 Berichte ein. Professor Abel veröffentlichte in den USA ein Buch darüber. Ausgesondert hatte er übermäßig lange Berichte und solche, die das Thema verfehlten. So werden in seinem Buch 585 Biogramme in Faksimile veröffentlicht. Die Biogramme sind sauber, meist mit Schreibmaschine, geschrieben. Es sind ehrliche Darstellungen. Die Autoren bemühen sich, möglichst genau zu beschreiben, warum sie Nazi, warum sie Alte Kämpfer wurden.

"Alter Kämpfer" war ein Ehrentitel für Parteimitglieder, die schon vor der "Machtergreifung" in die NSDAP eingetreten waren. Diese Sammlung ist die umfassendste und gründlichste historische Darstellung der Entstehung der Nazi-Bewegung überhaupt! Die Autoren sind bestrebt, mit unverkennbarem Stolz ihren persönlichen Beitrag zur "Machtergreifung des Führers" so ehrlich wie möglich dauerhaft festzuhalten.

Abels Buch wurde nie ins Deutsche übersetzt und hier veröffentlicht, obwohl es eine breite wissenschaftliche Forschung zu Hitler und zum Nazi-Staat gibt. Spätere Beschreibungen von Nazi-Lebensläufen - nach den Erfahrungen des Holocaust und des 2. Weltkrieges - haben diese Unmittelbarkeit nicht mehr. Scham, Verschleierungsversuche und auch Angst steuern die späteren Verfasser. Ihnen fehlt die Genauigkeit der Darstellung, die den Autoren der in Abels Buch enthaltenen Originalbiogramme eigen ist.

Nun liegen auch uns in Deutschland diese atemberaubenden Biogramme vor!

Das große Buch "Warum ich Nazi wurde" enthält auf den Seiten 201 bis 856 die wichtigsten 85 Biogramme. Beim Lesen bekommt man den Eindruck, als würde ein Vorhang aufgerissen!

Es ist ein besonderes Verdienst Wieland Giebels, dass er auf dieses einmalige Material aufmerksam wurde und es aus den USA kommen ließ. So konnte er das vorliegende Buch (923 Seiten) herausgeben, in einer Zeit, die unser aller Aufmerksamkeit herausfordert, um Freiheit und Demokratie zu schützen. Dafür gilt ihm unser Dank!
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Dr.-Ing. Dorothea Krause, 2. November 2018


 WarumNazi Cover 400

Zur Verlagsseite des Buches mit weiteren Informationen


 

 

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Kurz gefasst - Alle Meldungen - 2019

Alle bisherigen Kurzmeldungen für 2019 hier auf dieser Seite ... - Sowie für 2018 und 2017 hier. - Mehr "Luisenstadt" googeln - bitte hier


    JANUAR 2019

  1. Freitag 11. Januar, Diskussion "Die Pressefreiheit in der Gegenwart" im FHXB Museum, Dachetage
  2. Freitag 11. Januar, Gespräch + Neujahrsempfang "Die IBA 1987 (i. d. Luisenstadt) - und Stadterneuerung heute". CLB, Aufbauhaus

  3. Bild oben Großansicht
    · Mehr über die Lichtgrenze am 9. November 2014 in der Luisenstadt

 

Die Wahrheit über die Nutzungskonflikte auf der Partymeile Köpenicker Straße und warum

In der ecke No. 8 Dez 2018/ Jan 2019 finden Sie diesen Leserbrief von Volker Hobrack, Vorstand unseres Bürgervereins Luisenstadt, zur Studie zu den Nutzungskonflikten in der Nördlichen Luisenstadt:

Liebe Redaktion,
in diesem Artikel der FAZ (m.FAZ.net/aktuell/reise/tourismus-berlin-deutsch-land - "Den Berlinern reicht's") steckt sehr viel mehr Wahrheit als in Euren Beiträgen über die Studie zu den Nutzungskonflikten (hier lesen) in der ecke von Nov/Dez 2018. Mit den Zitaten aus dieser Studie wird der Eindruck erweckt, als wären die Lärmbelastungen durch Tourismus nicht sonderlich groß.

Besonders grotesk ist das Zitat, "dass Gäste des A&O Hostels… keine wesentliche Quelle nächtlicher Ruhestörungen" seien.

Auch in dieser Studie steckt ein Haufen falscher und beschwichtigender Aussagen. Dieses Hostel ist Hauptverursacher von Lärm und von Verkehrsproblemen in der Köpenicker Straße, weil es überdimensioniert ist.

Das Bezirksamt hat in seiner Ignoranz mit einer Betriebsgenehmigung für 1.600 Betten ein Dauerproblem für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer geschaffen, mit dem es jetzt nicht mehr umgehen kann. Es ist darüber hinaus noch peinlicher für die Verwaltung, wenn nebenan und gegenüber Spätis entstehen, teils ungenehmigt, die den überbordenden Tourismus zu einer Gefahr für die Stadtverträglichkeit werden lässt.

Zur Studie ist allerdings auch anzumerken, dass mit dieser sozialwissenschaftlichen Arbeit überhaupt mal ein anderer Weg der Problembetrachtungen gegangen worden ist. Doch ob das mit dieser ersten Untersuchung schon ausreicht, ist sehr zweifelhaft. Richtig ist die Feststellung der Studenten, dass eine deutliche Diskrepanz in der Wahrnehmung des Gebietes zwischen der Verwaltung und den Anwohnern besteht.

Doch was folgt daraus für den Arbeitsstil der Verwaltung?

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NEU: Dezember 2018/Januar 2019: ecke köpenicker No. 8/2018 erschienen


Die ecke No. 8 für die Monate Dezember 2018 und Januar 2019 informiert aktuell und mit Hintergrund-Infos über diese Themen:

  • Vorläufiger Abschied der ecke und der ecke-Macher *)
  • Leserbrief von Volker Hobrack, Vorstand Bürgerverein Luisenstadt, zur Interpretation der Studie zu den Nutzungskonflikten in der Nördlichen Luisenstadt **)
  • Ein Haus im Haus. Der Sieger des Architekturwettbewerbs für das Marinehaus am Köllnischen Park steht nun fest
  • Plädoyer. Marktplätze der neuen Art!
  • Wenn unser Haus verkauft wird. Das Netzwerk "Häuser bewegen" leistet emotionale Hilfe für betroffene Mieter
  • Bezirk baut Milieuschutz aus. Auch die Nördliche Luisenstadt soll untersucht werden
  • Auf Hilfsbedürftige achten! Auch 2018 ist die Berliner Kältehilfe aktiv
  • Neue Perspektiven für das Postfuhramt in der Nördlichen Luisenstadt. Irischer Investor plant Wohnen und Gewerbe
  • Die alte Eisfabrik an der Spree.
    · Investor Trockland. Erste Arbeiten am "Eiswerk"-Vorhaben haben bereits begonnen: Brand im Dachstuhl
    · Rundgang mit Falko Hennig. Eis und Feuer am Wasser
  • Nachrichten aus dem Bezirk
  • Adressen

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(Original-Überschriften wurden ergänzt)

Lesen/Downloaden Sie die neue "ecke köpenicker" hier auf dieser Seite...

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Di 15·Jan 2018: Vortrag - Der Beginenhof in Kreuzberg: ein Haus für viele Frauen

Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Dr. Gisela Notz erzählt uns anhand des Beispiels Beginenhof von der Idee des selbstbestimmten Wohnens in der Stadt. Der Beginenhof in Kreuzberg - ist ein Haus für viele Frauen.

Die Idee entstand in Berlin vor vielen Jahren. Damals lebten schon ca. 600.000 alleinwohnende Frauen in der Stadt. Viele konnten sich vorstellen, gemeinsam mit anderen Frauen ein Haus zu beziehen. Nach langjähriger Vorarbeit konnte dann ab Oktober 2007 der Beginenhof am Erkelenzdamm bezogen werden.

In dem ansprechend geschwungenen und lichtdurchfluteten Gebäude wohnen 53 Frauen (und vier angehörige Männer) zwischen Ende 20 und über 80 Jahren in einer Wohneigentümergemeinschaft (WEG).

Das tägliche Leben organisieren sie selbstverwaltet. Der ursprünglichen Idee entsprechend sollen Wohnungen ausschließlich an Frauen verkauft/vermietet werden.

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NEU: Unser Veranstaltungsprogramm Januar bis März 2019

Informieren Sie auch Ihre Freunde und Bekannte - alle Veranstaltungen des Bürgervereins Luisenstadt sind kostenfrei.

Alle Veranstaltungen, Orte und Termine finden Sie hier im Print-Flyer sowie auch aktuell und ausführlich auch hier auf unserer Homepage ...

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Abschlussbericht erschienen: Das sind die "Nutzungskonflikte in der Nördlichen Luisenstadt"

Dass wir auf diesen Abschlussbericht der Untersuchung zu Nutzungskonflikten in der Nördlichen Luisenstadt "sehnsüchtig" gewartet haben, das wäre sicher übertrieben.

Nun ist der wissenschaftliche, dennoch auch lesbare Bericht fertiggestellt und veröffentlicht worden. Nutzer und Anwohner der Köpenicker Straße können nun genauer hinschauen, was und warum vor ihrer Tür passiert.

Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen, das obliegt nun dem Bezirksamt Mitte und seinem Präventionsrat *). Doch Bürgerbeteiligung ist auch hier weiterhin gefordert.


Update: Lesen Sie dazu auch aktuell die Ergänzungen der HUB-Forscher in der kürzlich erschienenen "ecke No. 7 Nov/Dez 2018" hier auf unserer Homepage

Und das Berliner Abendblatt berichtete inzwischen ebenfalls:
www.AbendblattBberlin.de/2018/11/17/probleme-in-der-luisenstadt


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