Bürgerverein Luisenstadt e.V.

Einladung zum Kiezfest in der Luisenstadt


Vetternwirtschaft und Sub-Sub-Subunternehmer

Nach den Ursachen solcher Schlamperei brauchte man nicht sehr lange zu suchen:

Einerseits war das Baugeschehen keiner kontinuierlichen Kontrolle unterworfen gewesen, weil der verantwortliche Baumeister Töbelmann - ein Bekannter des Hauseigentümers - seinen Bruder als Subunternehmer eingeschaltet hatte, der wiederum einen Maurermeister Lebius als Subunternehmer heranholte, der den Bau schließlich dem Polier Flatow übertrug (Baumeister Töbelmann erschien nur gelegentlich, um zur Eile bei der Bauausführung zu mahnen, was zu Maurerarbeiten am Fundament bei hartem Frost im Februar/März und am Hochbau bei sengender Hitze im Juni/Juli führte).

Es war andererseits die extreme Sommerhitze von 1865, die durchaus zu der Häufung von festgestelltem Baupfusch im Herbst desselben Jahres beigetragen haben kann:

Die Hitze forderte höheren Wasserverbrauch auf den Baustellen als traditionell gewohnt (u.a. auch zur Abkühlung der Bauarbeiter), aber unsere heutigen Vorstellungen von überall sprudelnden Wasserquellen aus einem öffentlichen Netz gelten für 1865 natürlich nur sehr eingeschränkt; bei einem Baugeschehen in der Wasserthorstraße z. B. wurde Wasser in Fässern aus dem Luisenstädtischen Kanal geholt, und das mühevolle Heranschaffen der gefüllten Wassertonnen kostete den Baugehilfen Zeit, die für Mörtelmischen und Steinetransport abging.

Also wurde eben die Wasserzugabe beim Mörtel sparsamer bemessen als sonst!

Darüberhinaus war jeder Bau in möglichst kurzer Zeit abzuschließen, denn die Baukonjunktur des Jahres 1865 glich einem wahren Boom:

Am Jahresende wurden 1228 Baugenehmigungen abgerechnet (zum Vergleich die Zahlen für 1864: 1122; für 1866: 752).

Polier Flatow verabschiedete sich nach einem Streit mit dem auf Eile dringenden Baumeister Töbelmann, und auch dem Subunternehmer Lebius war der Bau offensichtlich nicht geheuer, denn er zog sich nach der Bauabnahme aus dem Unternehmen zurück. Hauptauftragnehmer Töbelmann aber verbrachte den ganzen August auf Reisen und sorgte im September nur noch für das Verputzen der Fassaden.

So verwundert es nicht, daß schon bald nach der Aufnahme des Gewerbebetriebs im Quergebäude am 1. Oktober die Arbeiter der parterre gelegene Messinggießerei wie der darüber in jedem Stockwerk einzeln befindlichen Tischlereien ihre Arbeitgeber daraufhinwiesen, daß sie Risse im Mauerwerk entdeckt hätten. Der daraufhin angesprochene Baumeister Töbelmann wiegelte jedoch ab: das seien allenfalls die üblichen Setzrisse im Putz!

Als er sich endlich zu einer genaueren Inspektion bequemen wollte, erreichte ihn auf dem Wege zur Wasserthorstraße schon die Unglücksnachricht.

Das Berliner Kriminalgericht, das sich im März 1866 mit der Verantwortlichkeit für die Katastrophe beschäftigte, glaubte dann den beiden Töbelmanns ihre diversen Ausreden auch nicht, befand sie und Maurermeister Lebius der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig und sprach Haftstrafen sowie zeitweisen Entzug der Gewerbeerlaubnis aus.

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ecke jun juli"ecke köpenicker" ist eine Zeitung, erscheint achtmal im Jahr kostenlos und wird herausgegeben vom Bezirksamt Mitte, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung.