(von Beate Leopold)

Wer kennt ihn nicht, den Feuerwehrbrunnen am Mariannenplatz, Ecke Waldemarstraße? Für diejenigen, die im Kiez leben und in der warmen Jahreszeit auf den ihn umgebenden Bänken sitzen oder auf ihrem Weg an ihm vorbei gehen, ein alltägliches Bild, an das vielleicht nicht viele Gedanken verschwendet werden. Dabei handelt es sich nicht nur um einen Brunnen, er ist gleichzeitig ein Kunstwerk, geschaffen von Kurt Mühlenhaupt, einem vielseitigen Künstler und Berliner Original. Seit 1981 stehen sie dort, die drei markanten, altertümlich anmutenden Feuerwehrmänner und lassen im Frühjahr und Sommer das Wasser aus ihren Wasserschläuchen spritzen. 

 


Feuerwehrbrunnen. Foto: Beate Leopold 

Genau gegenüber auf der anderen Straßenseite befindet sich eine schlichte steinerne Flammenwand, ein davor liegender Stein erläutert das Relief: UNSEREN TOTEN    BERLINER FEUERWEHR. Mit manchmal davorliegenden Kränzen, oft auch einzelnen Blumen, wird derer besonders gedacht, die im Kampf gegen Feuer und Flammen ihr Leben ließen. 

Flammenrelief. Foto: Beate Leopold 

Bereits im November 1902 wurde am Mariannenplatz gegenüber der Sankt-Thomas-Kirche ein monumentales Feuerwehrdenkmal mit zwei wasserspeienden Löwenköpfen enthüllt. Darüber berichtete unter Lokales auch die Vossische Zeitung vom 17.11.1902:  

„Im gewerbthätigen, arbeiterreichen Südosten, am Mariannenplatz, ist heute ein Denkmal enthüllt worden, das nicht das Andenken an einen Fürst auf dem Thron oder im Reiche des Wissens festhalten soll, auch nicht von einem sieggekrönten Feldherrn erzählen will. Von den Männern, denen dies Denkmal gilt, meldet kein Geschichtswerk, es sind todesmutige Opfer ihrer Pflicht: schlichte Feuerwehrleute, die im Kampf mit dem verheerenden Elemente starben. …“ 

Dieses prächtige Denkmal mit Brunnen wurde im II. Weltkrieg stark beschädigt und 1958 abgerissen. 1960 wurde dann an der Waldemarstraße, ganz in der Nähe des einstigen Standortes, das jetzige, im Vergleich sehr einfache Wandrelief als Gedenkstätte für ums Leben gekommene Feuerwehrleute gesetzt. 

Ende der 1970er Jahre begannen auf dem Mariannenplatz umfangreiche Umbau- und Verschönerungsmaßnahmen. Im Zuge dessen schrieb das Tiefbauamt Berlin-Kreuzberg im Juni 1978 einen Wettbewerb für den Entwurf eines neuen Feuerwehrbrunnens im südlichen Bereich des Platzes aus. Die Entwürfe wurden im Künstlerhaus Bethanien ausgestellt. Die Mehrzahl der Besucherinnen und Besucher sowie eine Fachjury entschieden sich für den Vorschlag Kurt Mühlenhaupts. Im März 1980 begann der Bau des Brunnens und am 24. Oktober 1981 erfolgte die Inbetriebnahme der Anlage: Drei bronzene Feuerwehrmänner beim Einsatz. Die beiden mit einem Feuerwehrschlauch sich gegenüberstehenden Feuerwehrmänner erhalten von dem am Hydranten stehenden Feuerwehrhauptmann den Befehl: „Wasser marsch“.  

Feuerwehrbrunnen Detail Wasser Marsch. Foto: Beate Leopold 

Kurt Mühlenhaupt gehörte zu den bekanntesten Berliner Milieu-Malern und wurde oft mit Heinrich Zille verglichen. Der Feuerwehrbrunnen war seine erste Arbeit mit großen Figuren. Wie in seinen Zeichnungen stellte Mühlenhaupt auch die Bronze-Figuren der Feuerwehrleute überspitzt dar. Sie haben übergroße Hände, die sie bei der Brandbekämpfung unterstützen sollen, sowie große Nasen, damit sie das Feuer besser riechen können.  

Feuerwehrbrunnen Detail Nase. Foto: Beate Leopold 

Mühlenhaupt erinnert sich in seinen Memoiren an die Entstehung des Brunnens: 

„(…) In der Mitte des Platzes sollte ein kleiner Teich entstehen, von dem sich links und rechts zwei Feuerwehrleute gegenseitig bespritzen. So ein bißchen Ulk konnte ja nicht schaden. Außerdem sollte er sich den alten Häusern anpassen. Und dann dachte ich auch an die Kinder, sie brauchen Erlebnisse. Ein Feuerwehrmann muß vorher schon riechen, wo es brennt, dachte ich. Dafür braucht er eine große Nase (…) So bastelte und werkelte ich ein ganzes Jahr. Ich besorgte mir Material aus den Museen und schuf Feuerwehrleute in Phantasieuniformen, wie sie etwa vor hundert Jahren aussahen. Die Häuser rundum stammten ja schließlich auch aus der Zeit. (…) Für mich stand schon lange fest, die Kinder hier in dieser Ecke kriegen einen Feuerwehrbrunnen. (…) Ich sehe, daß ihn die Kinder angenommen haben, denn die dunkle Bronze ist vom Rumhangeln an Armen und Nasen blitzblank und schimmert golden in der Sonne.“ (Kurt Mühlenhaupt: Aus meinem Leben)  

Jetzt, in der kalten Jahreszeit, fließt hier kein Wasser und der Charme des Brunnens und seiner Umgebung erschließt sich dem Vorrübergehenden nicht sofort. Aber warten wir ab  sobald es wärmer wird, das erste Grün sprießt, die ersten warmen Sonnenstrahlen wieder verstärkt ins Freie locken und das Wasser aus den bronzenen Schläuchen fließt, ist der Feuerwehrbrunnen erst recht lohnendes Ziel eines Spazierganges. Auf den umliegenden Bänken kann eine kleine Auszeit genommen und das ganze Ensemble bewundert werden. Vielleicht ergibt sich auch ein Gespräch mit anderen dort sitzenden über den Feuerwehrbrunnen oder Dingen, die einen bewegen.  

Wer nicht so lange warten möchte und bereits jetzt das Wasser plätschern und etwas mehr zum Entstehungsprozesses des Brunnens hören und sehen möchte, sei der kleine Film auf YouTube empfohlen: Kurt Mühlenhaupts Feuerwehrbrunnen am Mariannenplatz in Kreuzberg  

https://www.youtube.com/watch?v=oPHmuOFbSgU 

Und wer jetzt (noch) neugieriger auf Kurt Mühlenhaupt geworden ist, dessen 100. Geburtstag sich 2021 jährte: In der Fidicinstraße 40 gibt es ein Kurt Mühlenhaupt Museum. Es liegt zwar nicht in der Luisenstadt, aber ein Ausflug in den Kreuzberger Bergmannkiez ist stets lohnend.  

Verwendete Quellen: