(von Beate Leopold)

Wer hat beim Spazierengehen im Engelbecken nicht schon den Indischen Brunnen bewundert?

 

Indischer Brunnen. © B. Leopold

 

Das Engelbecken lädt eigentlich zu jeder Jahreszeit zu einem kleinen Spaziergang ein, besonders, wenn im Rosengarten die zahlreichen Rosen erblühen. Hier Wohnende sowie Berlin Besuchende genießen dieses innerstädtische Kleinod. 

Auf dem Teilstück zwischen Rosengarten und Waldemarbrücke bleibt der Blick unweigerlich an einem exotisch anmutenden Kunstwerk hängen, dem Indischen Brunnen mit seiner Bronzefigur. Unabhängig von Wetterlage und (nicht) vorhandener Blütenpracht thront würdevoll und in sich versunken eine nackte, an eine indische Tempeltänzerin erinnernde Frauengestalt auf einem fünfstöckigen Ring von unzähligen Löwenköpfen und ähnlich wie sie sitzenden Frauenfiguren.  

Manchmal wurde ihr von Vorbeigehenden eine Blüte in die Hand gelegt. Auch mit einer OP-Maske wurde sie schon versehen und verhielt sich somit pandemiekonform. Diese temporären und zeitgemäßen Attribute fordern dazu auf, sie immer wieder aufs Neue anzuschauen und nicht nur vorbeizugehen.


Indischer Brunnen Seitenansicht. © B. Leopold 

Der Indische Brunnen hat eine lange Geschichte. 1926 wurde der sich hier gut 70 Jahre befindende Luisenstädtische Kanal von der Reichswasserstraßenverwaltung sehr günstig an die Stadt Berlin verkauft. Damit verbunden war die Auflage, die Oberfläche als öffentliche Grünfläche anzulegen und dauerhaft zu erhalten. Es gab zahlreiche Planungen und Entwürfe für die Gestaltung. 1928 wurde mit der Zuschüttung des Kanals begonnen und nach langer aufwändiger Sanierung und etlichen Planungsänderungen wurde endlich im November 1933 der Rosengarten mit einem Indischen Brunnen der Öffentlichkeit übergeben.  

Der Brunnen wurde nicht speziell für diesen Standort geschaffen. Er befand sich in der Kunstkammer des Berliner Rathauses und wurde vom damaligen Leiter des Gartenamtes Mitte, Hans Martin, für den Rosengarten reklamiert. Bemerkenswert dabei ist., dass der Erschaffer des damaligen Brunnens, Professor Walter Schott, damit nicht einverstanden war. „Er äußerte sich sehr abfällig über diesen Platz, da die Gegend nicht die Schönheit seines Werkes entspräche und das Publikum – Kindermädchen und Arbeiter – kein Interesse für das Kunstwerk aufbringen würden und das Werk an dieser Stelle keine Werbekraft für ihn hätte.“ (Zitiert nach Duntze, S. 224) Dem entgegnete Oberbaurat Leipold, „daß die Kunst letzten Endes dem Volke dienen müsse und die Werke der Künstler nicht lediglich zu Werbezwecken für die Künstler aufzustellen wären“ (ebenda).  

1942 wurde die Bronzefigur abgebaut und wahrscheinlich für Kriegszwecke eingeschmolzen. 1993 fanden sich bei Grabungen für die Neuanlage des Engelbeckens nach historischem Vorbild auch verschüttete Brunnenreste mit dem alten Goldmosaik an. Der Berliner Künstler Gerald Matzner wurde mit der Adaption der ursprünglichen Brunnenfigur beauftragt und baute den Brunnen in Anlehnung an das historische Original wieder auf. Seit 1995 steht dieser neue, „alte“ Brunnen an seinem ursprünglichen Patz. Von der alten Figur wissen wir es nicht genau, aber die heutige Bronzedame zeigt Rückgrat, was schließlich zu allen Zeiten gefordert ist.  


Indischer Brunnen Rückenansicht. © B. Leopold 
 

Mit dem Engelbecken und seinen Fontänen und dem Rosengarten bildet der Brunnen ein geschlossenes Gesamtbild einer restaurierten Grünanlage und ist damals wie heute ein Lieblingsort von Anwohner/innen und Spaziergänger/innen. Dass wir uns an dem Indischen Brunnen erfreuen können, ist auch dort Wohnenden und Gewerbetreibenden sowie dem Bürgerverein Luisenstadt zu verdanken, die sich vielfältig für die Rekonstruierung der historischen Grünalge eingesetzt haben. 

 

Verwendete Quellen: