Bürgerverein Luisenstadt e.V.

 


Reibedanz, Scherl und Eltschig 


Tour 9 Friedhof Reibedanz 500

Aus dem Rahmen der üblichen Grabsteine fällt das etwas versteckt liegende Grabmal für Erwin Reibedanz (6). Die Grabstätte ist interessant, weil der bekannte Architekt Max Taut um 1920 mit seinem kometenähnlichen Grabobelisken ein völlig neues Symbol für die Vergänglichkeit schuf.

Taut stellte sich in krassen Gegensatz zur üblichen Friedhofsskulptur, von der er die "Zertrümmerung der Puppenwitze" forderte und vorschlug, den "Marmorkram in Scherben auf den Müllhaufen zu werfen".

Schwer zu finden ist die unscheinbare Grabstätte Scherl (7). August Scherl (1849-1921) wurde als Zeitungskönig der Wilhelminischen Ära bezeichnet. Er gründete 1883 den Scherl-Verlag mit der Herausgabe des "Berliner Lokal-Anzeigers", der zuerst sonntags, ab 1885 täglich und ab 1889 auch mit Abendblatt erschien.

Ab 1899 gab er die "Woche", ab 1900 den "Tag" heraus. Den finanziellen Rückhalt der Zeitungen bildeten die Inserate. Scherl führte als erster Stadtreporter ein. 1916 übernahm der Hugenberg-Konzern den Verlag.

Erwähnenswert ist die schöne antikisierende Sandsteinstele mit dem Marmor-Bildnismedaillon seiner ersten, jung verstorbenen Frau Flora. Zu Füßen der Stele die Grabplatte für August Scherl und seine zweite Frau Therese.

Aus der Reihe der betrachtenswerten Erbbegräbnisse an der Rückfront des Friedhofs zur Zülichauer Straße sollen zwei herausgegriffen werden:

Gustav Eltschig (1850-1903) war Wäschefabrikant. Das imposante Grabmal aus weißem Marmor (8) wurde 1905 von dem Architekten Kröger geschaffen. Es ist eine phantasievolle und detailreiche Anlage mit einem Engel in sentimentaler Pose als Mittelpunkt.

Die Wangenmauern sind als Sitzbank gestaltet und enthalten hahnenköpfige Fabelwesen. Stundenglas, Mohnkapseln und Schmetterling deuten Vergänglichkeit, Schlaf und das Emporschweben der Seele an, der Anker die Festigkeit des Glaubens.